Entwicklung und
Zusammenarbeit

Sklaverei

Das schwerste Verbrechen der Menschheit

Die Anerkennung des Handels mit versklavten Afrikaner*innen und der rassistisch motivierten Leibeigenschaft als schwerwiegendstes Verbrechen der Menschheit durch die UN hat die weltweite Debatte über Entschädigungen neu ausgerichtet. Führende Stimmen aus Afrika und der Karibik machen deutlich, dass diese Anerkennung nun in konkrete Maßnahmen für Gerechtigkeit, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit umgesetzt werden muss.
Ghanas Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa bei der Eröffnung der Consultative Conference in Accra. picture alliance / AP Photo/Reuben Ekow Quansah / Reuben Ekow Quansah
Ghanas Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa bei der Eröffnung der Consultative Conference in Accra.

Die Erklärung, dass Sklaverei das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt, und ihre Verabschiedung durch die Generalversammlung der UN beruhen auf einer einfachen, aber mächtigen Wahrheit: Sklaverei ist nicht nur eine historische Tragödie, sondern hat auch die moderne Welt geprägt.

Laut der Datenbank „SlaveVoyages“ wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert etwa 12,5 Millionen Afrikaner*innen auf transatlantische Sklavenschiffe gezwungen, wobei rund 10,7 Millionen die Reise von Afrika nach Amerika überlebten. Millionen weitere starben bei ihrer Gefangennahme, auf Zwangsmärschen oder in Gefangenschaft. Hinter diesen Zahlen verbergen sich zerrissene Familien, zerstörte Gemeinschaften und zerschlagene Kulturen.

Der Sklavenhandel brachte immensen Reichtum hervor, der die Industrialisierung in Europa und Amerika ankurbelte, während viele afrikanische Gesellschaften durch Bevölkerungsrückgang, politische Zersplitterung und wirtschaftliche Ausbeutung geschwächt wurden. Diese Hinterlassenschaften prägen bis heute Entwicklungsprozesse und Ungleichheiten. Obwohl die Sklaverei im 19. Jahrhundert offiziell abgeschafft wurde, sind ihre Folgen nach wie vor tief in den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen verankert.

Ghanas Präsident John Dramani Mahama, der der UN die historische Resolution zum Sklavenhandel vorlegte, betonte, dass die Aufarbeitung dieser Vergangenheit eine zukunftsorientierte Perspektive erfordere: „Die Geschichte verlangt von uns nicht, Schuld zu erben. Sie verlangt von uns, Verantwortung zu erben.“ Bei der Reparationsgerechtigkeit gehe es nicht darum, alte Wunden wieder aufzureißen, sondern eine gerechtere Zukunft zu gestalten und dabei eine auf Wahrheit beruhende Versöhnung anzustreben, so seine Argumentation.

Jenseits der Anerkennung

Weniger als drei Monate nach der Verabschiedung der Resolution A/RES/80/250 durch die UN-Generalversammlung hat sich Accra zu einem Brennpunkt dieser Debatte entwickelt. Die Botschaft der dort im Juni unter dem Motto „Next Steps“ abgehaltenen hochrangigen Konsultationskonferenz war eindeutig: Anerkennung muss zum Handeln führen.

Seit Jahrzehnten konzentriert sich die Lobbyarbeit darauf, die formelle Anerkennung der Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu erreichen. In Accra ging der Fokus weit über eine bloße Anerkennung hinaus. Die Teilnehmer argumentierten, dass sich die auf Wiedergutmachung ausgerichtete Justiz zu einem Entwicklungsrahmen wandeln müsse, der Institutionen stärkt und gerechte globale Partnerschaften fördert.

Die UN-Resolution vom 25. März 2026 stellte einen diplomatischen Meilenstein dar, doch die Staats- und Regierungschef*innen in Accra betonten, dass eine Anerkennung allein jahrhundertelange Ungerechtigkeiten nicht wiedergutmachen könne. Wie Mahama es formulierte: „Die Verabschiedung der Resolution sollte niemals das Ende des Weges markieren. Sie sollte vielmehr die Grundlage für einen sinnvolleren Prozess des Engagements, der Reflexion und des Handelns bilden.“ Die Delegierten waren sich einig, dass eine Anerkennung nur von begrenztem Wert ist, wenn sie nicht zu konkreten Verbesserungen im Leben der Menschen führe.

Die „Accra Next Steps Commitments“

Im Mittelpunkt der Konferenz stand daher die Umsetzung der UN-Anerkennung in konkrete politische Maßnahmen. Das Ergebnis der Konferenz, die „Accra Next Steps Commitments on Reparatory Justice“, erweitern das Konzept der Wiedergutmachung über die finanzielle Entschädigung hinaus.

Sie verbinden historische Rechenschaftspflicht mit Rechtsreformen, Bildung, öffentlicher Gesundheit, kultureller Wiedergutmachung, Schuldengerechtigkeit und Technologietransfer. Ihr Ziel ist klar: die Beseitigung struktureller Ungleichheiten, die ihre Wurzeln in der Sklaverei und im Kolonialismus haben. Mahama, dessen Initiative von 123 UN-Mitgliedstaaten unterstützt wurde – während sich alle westlichen Staaten der Stimme enthielten und die USA, Israel und Argentinien dagegen stimmten –, fasste die zentrale Prämisse prägnant zusammen: „Anerkennung schafft Verantwortung.“

Er betonte zudem die Bedeutung des Gedenkens: „Nur wenige Orte auf der Welt zeugen so anschaulich von dieser Geschichte wie unser Land. Von Elmina in der Zentralregion über Cape Coast bis hin zu Assin Manso und Osu – unser Land beherbergt einige der sichtbarsten Zeugnisse eines Systems, das Millionen Menschen entwurzelt hat.“

Der nigerianische Nobelpreisträger Wole Soyinka bekräftigte diese Ansicht und warnte davor, die Sklaverei als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten. Zeitgenössische Formen der Ausbeutung, darunter Menschenhandel und Zwangsarbeit, zeigten, dass „der Sklavenhandel noch nicht vorbei ist“.

Die „Accra Next Steps Commitments“ definieren die Reparationsgerechtigkeit neu als langfristige Entwicklungsagenda. Mahama forderte einen praktischen internationalen Fahrplan auf der Grundlage von „Wahrheitsfindung, Forschung, Bildung, Gedenkarbeit, Rückgabe des kulturellen Erbes und rechtlichen Wegen“ und betonte dabei die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, religiösen und internationalen Organisationen.

Was Reparationen beinhalten könnten

Die Premierministerin von Barbados, Mia Amor Mottley, bezeichnete den Moment als historisch. Für sie umfassen Reparationen stärkere Bildungssysteme, eine verbesserte Gesundheitsversorgung, Schuldenerlass und finanzielle Entschädigungen. Sie verwies auf den überarbeiteten Zehn-Punkte-Plan der Caribbean Community and Common Market (CARICOM) als Grundlage für koordiniertes Handeln zwischen Afrika und der Karibik und forderte beide Regionen nachdrücklich auf, eine gemeinsame Entwicklungsagenda zu verfolgen.

Aufbauend auf diesem Aufruf zum Handeln forderte der liberianische Präsident Joseph Boakai einen koordinierten afrikanischen Umsetzungsrahmen, der in Zusammenarbeit mit der CARICOM und Organisationen der Diaspora entwickelt werden soll, sowie eine Ausweitung der Forschung, Bildung und kulturellen Restitution.

Die Rolle der afrikanischen Diaspora war ein Schwerpunkt der Diskussionen. Mahama bezeichnete die Nachfahren versklavter Afrikaner*innen als „Rechtsträger“, deren Wissen und Erfahrungen den weiteren Weg prägen sollten. Die Teilnehmenden forderten eine engere Zusammenarbeit zwischen den afrikanischen Staaten, der CARICOM, der Afrikanischen Union, den UN und den Organisationen der Diaspora.

Entschädigung für geschlechtsspezifische Gewalt in der Sklaverei

Auf der Konferenz wurde zudem die Notwendigkeit hervorgehoben, geschlechtsspezifische Erfahrungen in der Sklaverei zu thematisieren; im neuen Zehn-Punkte-Plan der CARICOM ist dies als konkrete Forderung nach Entschädigung für geschlechtsspezifische Gewalt enthalten. Mahama wies darauf hin, dass versklavte Frauen sexuelle Gewalt, reproduktive Ausbeutung und Familientrennung erdulden mussten, ihre Geschichten jedoch nach wie vor kaum Beachtung finden. Die „Accra Commitments“ betonen daher geschlechtsspezifische Ansätze und erkennen an, dass wirksame Maßnahmen diese unterschiedlichen historischen Realitäten widerspiegeln müssen.

Um die Dynamik aufrechtzuerhalten, wurden drei internationale Gremien angekündigt: ein globales Beratungsgremium für Reparationsgerechtigkeit, ein Expertengremium für die Rückgabe von Kulturgütern und ein globales Rechtsgremium für Reparationsgerechtigkeit, das Wege im Rahmen des Völkerrechts ausloten soll. Von diesen Gremien wird erwartet, dass sie die Umsetzung durch politische Leitlinien, juristisches Fachwissen und technische Koordination unterstützen.

Anerkennung ist nur der Ausgangspunkt

Die Konferenz von Accra hatte nicht zum Ziel, jahrhundertelange Ungerechtigkeiten wiedergutzumachen. Stattdessen schuf sie einen Rahmen, um deren anhaltende Folgen anzugehen. Die Botschaft war klar: Anerkennung ist nur der Ausgangspunkt.

Die Auswirkungen reichen über Afrika und die Karibik hinaus und werfen umfassendere Fragen hinsichtlich der historischen Rechenschaftspflicht und globalen Ungleichheit auf. Ob dieses Konzept erfolgreich sein wird, hängt vom politischen Engagement, ausreichenden Ressourcen und einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Regierungen, multilateralen Institutionen und der Zivilgesellschaft ab.

Die Anerkennung durch die UN hat die weltweite Debatte neu geprägt. In Accra wurde damit begonnen, die entsprechenden Maßnahmen zu erarbeiten. Nun gilt es zu prüfen, ob diese Dynamik zu messbaren Fortschritten für die Gesellschaften führt, die nach wie vor unter den Folgen des schwersten Verbrechens der Geschichte leiden.

Dasmani Laary ist Journalist in Ghana. 
laarygna@gmail.com 

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