Fußball
Das größte Spiel der Welt
Beim Endspiel der Fußball-WM am 19. Juli vor den Toren New Yorks werden auf dem Rasen Multimillionäre gegeneinander antreten, verehrt wie Halbgötter. Zusehen werden Menschen, die womöglich mehr als 2 Millionen Dollar für ihre Tickets bezahlt haben. Das war Ende April der Preis für eine Karte auf der offiziellen Weiterverkaufsseite des Weltfußballverbands FIFA. Der Originalpreis betrug 8860 Dollar.
Zum Vergleich: In Senegal beläuft sich das jährliche Bruttonationaleinkommen pro Kopf auf 1680 Dollar. Sollte die senegalesische Mannschaft das Finale erreichen, könnte es für die Fans aus dem Land schwierig werden, ihr Team vor Ort anzufeuern – nicht nur aus finanziellen Gründen. Im Januar hatte US-Präsident Donald Trump noch Einreiseverbote zur WM für Menschen aus 39 Staaten, darunter Senegal, ausgesprochen.
Mitte Mai wurden diese Verbote zunächst wieder aufgehoben. Aber wer aus den 47 neben den USA teilnehmenden Ländern, die die WM zur größten bisher ausgetragenen machen, tatsächlich einreisen darf, entscheidet sich womöglich erst am Flughafen.
FIFA-Präsident Gianni Infantino nennt die WM dennoch „inklusiv“. Sein Mangel an Urteilsvermögen hat er bereits im Dezember zur Schau gestellt, als er Trump in einer pompösen Show den neu geschaffenen „FIFA-Friedenspreis“ verlieh. Knapp drei Monate später begann der Preisträger einen Krieg.
Der Fußball hat zwei Gesichter
Ich war im vergangenen Jahr bereits auf einem Endspiel. In den Playoffs der kenianischen Regionalligen ging es um den Aufstieg in die dritte Liga. Die Stimmung dort muss sich vor den zu erwartenden WM-Spektakeln in den USA, Kanada und Mexiko nicht verstecken. Bei jedem Tor stürmten Fans den vom Regen völlig matschigen Platz. Am Spielfeldrand tobten Jubelschreie, Wutausbrüche und Vuvuzelas.
Für die Spieler auf dem Feld geht es dabei gar nicht nur darum, zu gewinnen. Ich habe an jenem Tag die NGUVU Homeboyz angefeuert. Die Mannschaft ist aus einem sozialen Sportprojekt entstanden, für das ich mich ehrenamtlich engagiere. Die jungen Männer aus benachteiligten Familien spielen, um sich von Drogen und Kriminalität fernzuhalten, aber auch, weil sie im Projekt warme Mahlzeiten und einen Ausbildungsplatz erhalten können.
Sport als Werkzeug für gesellschaftliche Entwicklung einzusetzen, ist in der Entwicklungszusammenarbeit schon beinahe ein alter Hut. Der „Sport for Development“-Ansatz funktioniert mit jeder Sportart – aber Fußballprojekte sind rund um den Globus ganz vorne dabei.
Eine Sportart, auf die sich viele Menschen einigen können, tut gut in einer gespaltenen Welt. Wie die Beiträge in dieser Ausgabe zeigen, schafft es die Anziehungskraft des Fußballs, immer wieder ethnische und zunehmend auch Genderdifferenzen zu überbrücken. Und wer einmal ein Regionalliga-Spiel auf irgendeinem Bolzplatz dieser Welt verfolgt hat, weiß: Der Fußball hat kein FIFA-Spektakel nötig, um seine Wirkung zu entfalten.
Katharina Wilhelm Otieno ist Redakteurin bei E+Z und arbeitet zeitweise in Nairobi.
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