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Weshalb „faire“ Smartphones zum neuen Standard werden müssen

Die Herstellung von Smartphones verursacht erhebliche ökologische Schäden und soziale Missstände. Wir sollten sie deshalb ressourcenschonender produzieren, länger nutzen sowie bestmöglich reparieren, wiederverwenden und recyceln. Inspirierende Beispiele dafür existieren bereits.
Gute Reparierbarkeit kann die Lebensdauer von Smartphones erheblich verlängern. picture alliance/dpa / Christian Charisius
Gute Reparierbarkeit kann die Lebensdauer von Smartphones erheblich verlängern.

Smartphones sind weltweit aus dem Alltag vieler Menschen kaum wegzudenken. Sie verbinden und unterhalten uns, organisieren unseren Tag und geben Zugang zu Informationen. Weltweit werden jedes Jahr mehr als 1,6 Milliarden dieser komplexen und sehr leistungsfähigen Computer verkauft, für deren Herstellung zahlreiche spezielle Materialien benötigt werden, etwa Gold für Leiterbahnen, Kobalt in Batterien und Neodym in Magneten für Lautsprecher. Auf Basis von Hochrechnungen ist davon auszugehen, dass der weltweite Verkauf einem jährlichen Verbrauch von Dutzenden Tonnen Gold und Kobalt sowie Hunderten Tonnen Neodym entspricht. 

Dieser massive Ressourcenverbrauch ist mit erheblichen Umweltfolgen verbunden. Zugleich liegen Hunderte Millionen Handys und Smartphones ungenutzt in Schubladen – ein riesiges, bislang kaum genutztes Rohstofflager. Aus Sicht des Umwelt- und Ressourcenschutzes ist diese Entwicklung nicht länger tragbar. Denn jedes neue Smartphone verbraucht wertvolle Rohstoffe, verursacht klimaschädliche Emissionen und belastet Ökosysteme entlang globaler Lieferketten.

Die größten Umwelt- und Klimaauswirkungen eines Smartphones – rund 80 % seiner CO₂-Emissionen – entstehen bereits vor der Nutzung. Das ist in erster Linie auf die Rohstoffgewinnung, Produktion und komplexen globalen Lieferketten der Produkte zurückzuführen. Die verbreitete Annahme, ein neues Gerät könne wegen eines etwas effizienteren Akkus oder Displays nachhaltiger sein und den Neukauf ökologisch rechtfertigen, greift daher zu kurz. Aufgrund des hohen materialbedingten Klimafußabdrucks von Smartphones ist entscheidend, dass die bereits entstandenen Umweltwirkungen möglichst lange einen Nutzen schaffen. Kurz gesagt: Smartphones müssen so lange wie möglich genutzt werden.

Der Abbau der für Smartphones benötigten Rohstoffe geht häufig mit massiven Eingriffen in die Umwelt einher. Böden und Gewässer können durch giftige Chemikalien und Schwermetalle belastet und so im schlimmsten Fall ganze Ökosysteme zerstört werden. In vielen Regionen der Welt ist der Rohstoffabbau eng mit sozialen Missständen und Menschenrechtsverletzungen verbunden, etwa in den Kobaltminen der Demokratischen Republik Kongo.

Wer Smartphones aus Umwelt- und Menschenrechtsper­spektive betrachtet, kommt daher zu einem klaren Schluss: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Wir können uns nicht länger damit abfinden, dass immer neue Geräte auf den Markt kommen, während funktionstüchtige Altgeräte viel zu früh ersetzt werden und oft ungenutzt herumliegen. Stattdessen braucht es einen grundlegenden Wandel – weg von kurzlebigem Konsum, hin zu Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendung und faireren Lieferketten.

Lebensdauer verlängern

Der wichtigste Hebel ist die Vermeidung von Neuproduktion. Das nachhaltigste Smartphone ist in der Regel das, das gar nicht erst neu hergestellt werden muss. Wenn etwas kaputt geht, sollte eine Reparatur der Normalfall sein und nicht die Ausnahme. Auch der Kauf gebrauchter oder professionell generalüberholter Smartphones kann helfen, Ressourcen zu schonen und den Bedarf an neuen Rohstoffen zu senken. Damit wird die Lebensdauer vorhandener Geräte verlängert – und genau das ist aus ökologischer Sicht zentral. Durch eine Verlängerung der Lebensdauer von 2 auf 4 Jahre ließen sich pro Smartphone 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm klimaschädliche Emissionen einsparen, so das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts aus dem Jahr 2018.

Ist ein Neukauf unvermeidbar, kommt es etwa darauf an, ob ein Smartphone sogenannte „Ökodesign“-Anforderungen erfüllt. Dazu gehört, dass es gut reparierbar ist und über einen langen Zeitraum mit Software-Updates versorgt wird. In der EU gilt seit Juni 2025 ein verpflichtendes Energielabel für Smartphones, das auch Informationen zur Haltbarkeit und Reparierbarkeit enthält. Wichtig ist auch, dass Hersteller transparent machen, woher ihre Rohstoffe stammen, welche Risiken in ihren Lieferketten bestehen und wie sie aktiv und nachweisbar Umweltzerstörung, Ausbeutung und Kinderarbeit verhindern. Fairness darf kein bloßes Werbeversprechen sein, sondern muss überprüfbar und nachvollziehbar sein.

Dass ein solcher Weg möglich ist, zeigt das niederländische Unternehmen Fairphone, das als Vorreiter für fairere Smartphones gilt. Die Firma setzt auf ein modulares Design, bei dem viele Komponenten mit Standardwerkzeug ausgetauscht werden können. Für das Fairphone der neuesten Generation gewährt sie fünf Jahre Garantie für registrierte Geräte sowie eine relativ lange Softwareunterstützung bis 2033. Entsprechend erreicht das Gerät beim EU-Energielabel die Höchstbewertung für Reparierbarkeit und Haltbarkeit. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, seine Lieferketten zu verbessern, insbesondere bei kritischen Rohstoffen wie Kobalt, Gold, Indium und Lithium. So ist Fairphone Mitglied der Fair Cobalt Alliance und hat unter anderem eine Lieferkette für Fairtrade-zertifiziertes Gold aufgebaut.

Strukturelle Veränderungen nötig

Vorzeigebeispiele wie Fairphone sind zwar wichtig, reichen allein jedoch nicht aus, um den Markt zu verändern. Damit fairere und ressourcenschonendere Smartphones sowie ein ökologisch verantwortungsvoller Konsum zum Standard werden, braucht es politische und strukturelle Veränderungen. 

Zum einen müssen Hersteller stärker in die Verantwortung genommen werden, um Reparatur und Wiederverwendung für Verbraucher*innen zu erleichtern. Dafür sind strengere Vorgaben für das Produktdesign nötig. Smartphones sollten so gestaltet sein, dass sie sich leicht öffnen und reparieren lassen – ohne Spezialwerkzeuge, Klebebarrieren oder Softwareblockaden. Dazu gehören auch frei zugängliche Reparaturanleitungen der Hersteller sowie eine Softwareunterstützung von mindestens zehn Jahren. Ebenso wichtig sind verbraucherfreundlichere Regelungen für die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und deren Preisgestaltung. 

Zum anderen ist es dringend notwendig, die vielen ungenutzten Geräte wieder in den Kreislauf zurückzubringen. Jedes Smartphone, das weiterverwendet oder fachgerecht aufbereitet wird, hilft, neue Rohstoffgewinnung zu vermeiden. Um das Umwelt- und Ressourcenschutzpotenzial dieser „Schubladenhandys“ zu nutzen, gibt es in Deutschland Sammelprogramme wie „Handys für die Umwelt“ der Deutschen Umwelthilfe. Die Geräte werden dort auf Wiederverwendung geprüft, und bestimmte Teile werden als Ersatzteile genutzt. Erst anschließend gehen die verbleibenden Bestandteile ins Recycling, um enthaltene Wertstoffe zurückzugewinnen.

Am Ende geht es beim Thema Smartphone um mehr als nur um ein technisches Gerät. Es geht um die Frage, ob unsere Gesellschaft ein lineares Wirtschaftsmodell fortschreiben will, das auf ständigem Neukauf, hohem Ressourcenverbrauch und sozialen Krisen beruht. Oder ob der zukünftige Konsum von Smartphones so gestaltet wird, dass die ökologischen Grenzen unseres Planeten eingehalten und faire Arbeitsbedingungen entlang globaler Lieferketten geschaffen werden. 

Viktor Schödwell ist Senior Expert für Kreislaufwirtschaft bei Deutsche Umwelthilfe e. V.
schoedwell@duh.de 

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