Bergbauwirtschaft
Burundis Kampf für Gerechtigkeit im Bergbau
Burundi verfügt über beträchtliche Bodenschätze, darunter Gold, Zinn, Wolfram und Tantal sowie Lithium, Seltene Erden, Vanadium, Titan und Nickel. Aber trotz seines mineralreichen Bodens nimmt das Land durch den Export nicht genügend ein, um sein Bruttoinlandsprodukt nennenswert zu erhöhen. Im jährlichen Staatshaushalt sind die Einnahmen aus dem Bergbau oft zu vernachlässigen; für das laufende Haushaltsjahr meldete das burundische Finanzministerium aus diesem Sektor Einnahmen von rund 2,6 Millionen Dollar. Zudem beklagen die Behörden seit Jahren, dass Bergbauunternehmen Mineralien auf betrügerische Weise und jenseits der offiziellen Kanäle verkaufen.
Am 22. Februar 2023 erklärte der Ministerrat: „Seit 2013 hat der Bergbau- und Steinbruchsektor in Burundi neue Vorschriften erlassen, um inländische und ausländische Investierende anzuziehen; mit der Zeit haben sich jedoch Mängel in diesen Gesetzen gezeigt. Um diese zu beheben, hat das Ministerium begonnen, das burundische Bergbaugesetz und seine Durchführungsbestimmungen zu überarbeiten, um sie an die realen lokalen Gegebenheiten anzupassen.“ Fünf Monate später führte das Land das neue Bergbaugesetz ein, das darauf abzielt, „Win-Win“-Partnerschaften zwischen dem Staat und der Branche zu fördern.
Laut Politiker*innen, Wirtschaftsfachleuten und NGOs gibt es jedoch weiterhin große Grauzonen. Für Olivier Nkurunziza, Vorsitzender der Oppositionspartei „Union für den nationalen Fortschritt“ (Union pour le Progrès national, UPRONA), sind die Mängel, die der Ministerrat anführt, mehr als technische Details. Verträge im Bergbau würden nie veröffentlicht, und Korruption sei weit verbreitet, sagt er. Seiner Ansicht nach werden die Produktionszahlen zu niedrig angegeben, und es mangelt an Transparenz bei den Vertragsverhandlungen.
Nkurunziza sagt auch, dass die Gemeinden in den Bergbaugebieten keinen greifbaren Nutzen – wie etwa den Aufbau von Infrastruktur – aus dem Sektor ziehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Burundi Mineralien in ihrer Rohform exportiert, statt sie vor Ort zu verarbeiten. Folglich, so Nkurunziza, werde das Land nie vom wahren Wert der Ressourcen profitieren, die sein Staatsgebiet verlassen.
Ausgesetzte Verträge, eingestellte Aktivitäten
Das neue Bergbaugesetz ist zwei Jahre nach einem mutigen Schritt Burundis in Kraft getreten. Im Juli 2021 hatte Bujumbura mehrere große Bergbauunternehmen suspendiert, darunter die britischen Firmen Rainbow Rare Earths und African Mining Limited sowie das Unternehmen Tanganyika Mining, das Verbindungen zu Russland hat.
Damals sprach Minister Ibrahim Uwizeye gegenüber Repräsentierenden der Unternehmen von einer Überarbeitung der Verträge. „Die Vereinbarungen zwischen diesen Unternehmen und der burundischen Regierung waren durch ein enormes Ungleichgewicht gekennzeichnet, das dem Land erhebliche Verluste zu verursachen drohte“, wurde er während eines Treffens mit Zuständigen der Bergbauunternehmen zitiert. Uwizeye erklärte, eine Überprüfung sei nötig, um eine Partnerschaft zu etablieren, die allen Seiten nutzt. Er versicherte jedoch, dass dies keinen Widerruf der Betriebslizenzen bedeute.
Auch Pamphile Malayika, ein ehemaliger Abgeordneter mit dem Schwerpunkt Bergbausektor, findet, dass eine Neuverhandlung sinnvoll war. Das Ziel sei allerdings eine gerechtere Gewinnverteilung und eine höhere staatliche Beteiligung von mindestens 16 % gewesen, sagt er. Doch aktuell hält der Staat immer noch nur einen Anteil von 15 % an allen Bergbauprojekten. Das plötzliche Aussetzen habe zudem unmittelbare Folgen gehabt, betont er: Unternehmen hätten die Arbeit eingestellt, dem Staat seien Deviseneinnahmen entgangen, Arbeitsplätze seien verloren gegangen und der Betrug im Kleinbergbau habe zugenommen.
Offizielle Exporte – und die Frage der Transparenz
Besonders hart traf Burundi, dass es aufgrund seiner radikalen Maßnahmen weniger Devisen einnahm. Die wirtschaftlichen Realitäten holten das Land schließlich ein: Am 7. Oktober 2025 genehmigte der burundische Präsident Évariste Ndayishimiye offiziell den Export von grünem Quarz und Amethyst nach China. Dieser Schritt – Teil einer 100-tägigen Exportkampagne seit Ende Juli 2025 – wurde als neues Kapitel präsentiert.
Ende Februar 2026 verkündete der Gouverneur der Zentralbank, Edouard Normand Bigendako, dass im vierten Quartal 2025 etwas mehr als 200 Kilogramm Gold exportiert und dadurch mehr als 27 Millionen Dollar eingenommen worden seien. Zudem vermeldete er offizielle Exporte von mehr als 950 Tonnen weiterer Mineralien im Wert von mehr als sieben Millionen Dollar. Über eine Million Dollar seien bereits wieder zurückgeführt worden.
Trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklungen betonen burundische zivilgesellschaftliche Organisationen und politisch Verantwortliche – darunter die Beobachtungsstelle für die Bekämpfung von Korruption und wirtschaftlichem Fehlverhalten (Observatoire de Lutte contre la Corruption et les Malversations Économiques, OLUCOME) –, dass ein nachhaltiger Strukturwandel Transparenz erfordert. Sie fordern den Beitritt Burundis zur Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI) und verweisen darauf, dass sich die burundische Regierung schon vor elf Jahren offiziell zur Umsetzung des EITI-Standards verpflichtet hat. Der Mineralienhandel solle zudem über das burundische Amt für Bergbau und Steinbrüche (Office Burundais des Mines et Carrières, OBM) zentralisiert werden.
Das Potenzial von Nickel – und neue Zweifel
Von all seinen Bodenschätzen ist Nickel langfristig einer der wichtigsten Rohstoffe für Burundi. Das Land verfügt über oxidierte Nickelvorkommen, deren Umfang auf rund 285 Millionen Tonnen geschätzt wird. Burundis Nickelreserven machen schätzungsweise rund sechs Prozent der weltweiten Reserven aus.
Im März unterzeichnete Burundi einen 14-monatigen Exklusivvertrag mit dem US-Unternehmen Lifezone Metals zur Erschließung des Nickelprojekts Musongati im Südosten des Landes. Schätzungen zufolge enthält die Lagerstätte allein 150 Millionen Tonnen Nickel.
Jedoch kamen fast unmittelbar Bedenken auf. Der Abgeordnete Malayika bedauerte, dass das Gesetz über das öffentliche Beschaffungswesen im Zusammenhang mit der Ausschreibung offenbar nicht eingehalten worden sei. Er räumt ein, dass Lifezone in Tansania tätig sei und über starke technische und finanzielle Kapazitäten verfüge. Dennoch hätte eine solche strategische Investition im Rahmen eines internationalen Ausschreibungsverfahrens getätigt werden müssen, meint er. Zumal die Exklusivklausel andere potenzielle Partnerunternehmen daran hindert, das Projekt zu evaluieren.
Abgesehen von den wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und Politik bleibt die grundlegende Frage: Wie kommt das den Menschen zugute? Wie viele afrikanische Länder braucht auch Burundi eine nachhaltige Lösung, die sicherstellt, dass sein immenser Bodenschatz dem Wohl der eigenen Bevölkerung dient – und nicht nur die Kassen ausländischer Investoren und einer kleinen lokalen Elite füllt. Nur durch transparente Regierungsführung, faire Verträge und echte Beteiligung der Bürger*innen können Burundis Bodenschätze zur Basis für eine inklusive Entwicklung werden.
Mireille Kanyange ist Journalistin und Reporterin bei Radio Isanganiro in Burundi.
mika.kanyange@gmail.com