Entwicklungspolitik und Öffentlichkeit
Zustimmung der Deutschen zu EZ-Ausgaben nimmt wieder zu
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steht seit mehreren Jahren unter Druck. Zum einen kürzte die Bundesregierung die Mittel deutlich. Diesen Trend zu Kürzungen der Entwicklungsbudgets gibt es auch in anderen Ländern. Zum anderen sah sich die EZ starker öffentlicher Kritik ausgesetzt, deren vorläufiger Höhepunkt die Diskussion um eine Bezuschussung von Radwegen in Peru Anfang 2024 darstellte. Zwar flaute die Intensität der Kritik seither ab. Dennoch schlägt der deutschen EZ weiterhin starker Gegenwind entgegen, von Rufen nach Kürzungen bis hin zu Fake-News-Kampagnen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) reagierte auf diese Herausforderungen mit einem Anfang 2026 veröffentlichten Reformplan. Darin legt das Ministerium unter anderem einen größeren Fokus auf wirtschaftliche Interessen und den unmittelbaren Nutzen der EZ für Deutschland.
Wie bewertet in dieser Situation die deutsche Bevölkerung die deutsche Entwicklungspolitik? Immerhin gut zwei Drittel (68 %) unterstützen sie im Juli 2025 grundsätzlich. Für die humanitäre Hilfe fällt die Unterstützung sogar noch etwas höher aus und liegt bei 76 %. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Meinungsmonitor Entwicklungspolitik. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) untersucht mit dem Meinungsmonitor seit 2018 die öffentliche Einstellung zu Entwicklungspolitik, das Wissen darüber sowie das Engagement der Bevölkerung im Politikfeld (siehe unten).
Eine knappe Mehrheit der Befragten (52 %) befürwortet im November 2025 die aktuellen EZ-Ausgaben oder möchte sie sogar erhöhen. Dieser Wert hat sich seit dem Tiefpunkt im Januar 2024 (47 %) leicht erholt, bleibt jedoch deutlich unter dem breiten entwicklungspolitischen Konsens der Jahre 2019 bis 2022. Damals wollten rund zwei Drittel der Befragten die Ausgaben beibehalten oder erhöhen.
Zweifel an Wirksamkeit der EZ
Ihre kritische Haltung begründen die Befragten häufig mit Zweifeln daran, dass die deutsche EZ wirkungsvoll sei und die beabsichtigten Empfänger*innen erreiche. Auch vermuten sie, dass durch Korruption Gelder in den Partnerländern versickern.
Dass Deutschland sich die EZ nicht leisten könne, glaubt zwar nur eine Minderheit. Der Anteil hat sich aber zwischen 2019 und 2025 nahezu verdoppelt, von 15 % auf 29 %. Dies spiegelt die Tatsache, dass die deutsche EZ zunehmend mit Verteilungskonflikten konfrontiert ist.
Allerdings basieren die Kritikpunkte oft auch auf mangelndem Wissen. So sehen die Befragten zwar mehrheitlich Fortschritte bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit, der Bildung von Mädchen oder der weltweiten Impfquote. Sie unterschätzen diese Fortschritte aber deutlich. Die Mehrheit weiß zudem nichts vom wahrscheinlich größten Entwicklungserfolg der vergangenen 35 Jahre, der Reduzierung der extremen Armut von 44 % auf 10 % der Weltbevölkerung. Tatsächlich glauben 60 % der Befragten, die weltweite Armut habe seit 1990 zugenommen.
EZ-Ausgaben um das Achtzehnfache überschätzt
Hinzu kommt, dass die Bevölkerung den Anteil der EZ-Ausgaben am deutschen Bruttonationaleinkommen seit Jahren massiv überschätzt. Statt den vermuteten rund 10 % waren es 2025 nur 0,56 %. Damit verfehlte Deutschland erneut die Zielmarke der ODA-Quote von 0,7 %.
Nimmt die Bevölkerung die Wirksamkeit der EZ als zu gering wahr und überschätzt sie zugleich die EZ-Ausgaben deutlich, kann dies Kritik an einer „ineffizienten“ EZ befeuern. Dies gilt insbesondere angesichts der Finanzierungslücken und des Spardrucks im deutschen Renten-, Gesundheits- und Sozialsystem. Wenn in der Kommunikation hingegen stärker Entwicklungserfolge vermittelt werden, kann dies die Zustimmung zu EZ-Ausgaben erhöhen.
Altruismus überzeugender als Eigeninteressen
Ein möglicher Ansatz in der öffentlichen Kommunikation besteht darin, stärker zu betonen, dass die EZ einen konkreten Nutzen für Deutschland hat und Deutschlands wirtschaftlichen Interessen dient. Diese Argumentationslinie ist auch im BMZ-Reformkonzept angelegt. Ob es auf diesem Weg gelingen kann, die Bevölkerung zu überzeugen, ist jedoch fraglich.
Im Meinungsmonitor stufen die Befragten vor allem altruistische Motive als überzeugend ein, etwa den Bedarf in den Partnerländern oder die Möglichkeit, mit wenigen Mitteln viel Gutes erreichen zu können. Selbst unter Gegner*innen der EZ finden altruistische Motive mehr Zustimmung als Motive, die am Eigeninteresse orientiert sind. DEval hat den Befragten zudem nach dem Zufallsprinzip Texte mit unterschiedlichen Motiven für EZ vorgelegt. Auch hier waren es altruistische Motive, die die Zustimmung zu EZ steigerten, während am Eigeninteresse orientierte Motive keinen Effekt auf die Zustimmung hatten.
EZ weiter verbessern und evidenzbasiert kommunizieren
Um langfristig auf eine breite Zustimmungsbasis in der Bevölkerung bauen zu können, sollte die EZ weiter an ihrer Substanz arbeiten. Eine auf Wirkungen hin ausgerichtete EZ, die Steuermittel noch effizienter nutzt und Korruption vermindert, trägt mittelfristig zur Akzeptanz in der Bevölkerung bei. Außerdem relevant: eine ehrliche und evidenzbasierte Kommunikation, in der sowohl Ergebnisse als auch breitere globale Entwicklungstrends thematisiert werden.
Gute Kommunikation lohnt sich insbesondere auch deshalb, weil fast drei Viertel der Befragten nur wenig gefestigte Einstellungen zur EZ haben. Sie sind tendenziell zugänglich für Kommunikation. Am meisten überzeugen sie altruistische Motive und Informationen über Sektoren wie Wasserversorgung, Bildung, Gesundheit oder Ernährungssicherheit. Eine gute Kommunikation sollte diese Präferenzen also ebenfalls berücksichtigen – ohne dabei Stereotype zu reproduzieren.
QUELLE
Schneider, S. H., Gödderz, A., Zille, H., Gmeineder, M, Leßke, F., und Bruder, M., 2026: Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026. Wissen, Motive und Vorbehalte in disruptiven Zeiten. Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval), Bonn.
Datenbasis des DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026
Der DEval-Meinungsmonitor basiert auf Daten einer seit 2023 regelmäßig vom DEval durchgeführten Monitoring-Erhebung (rund 2000 Befragte) und Daten des Development Engagement Lab (DEL) seit 2019. Das DEL umfasst zweimal pro Jahr durchgeführte kurze Befragungen (rund 1000 Befragte) und eine umfangreiche jährliche Panelbefragung (rund 6000 Befragte). Zusätzlich führt das DEval themenspezifische Erhebungen durch.
Helge Zille ist Evaluator beim Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval).
helge.zille@deval.org
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