Entwicklung und
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Klimawandel

Wie ein neues CO₂-Handelssystem Gemeinden in Simbabwe helfen könnte

Simbabwe hat neue Regeln eingeführt, die den Handel mit CO₂-Zertifikaten transparenter machen sollen. Auf lokaler Ebene wächst damit die Hoffnung, durch Klimaprojekte neue Einnahmen zu erzielen.

Eigentlich war es ja nur eine kleine Einweihungszeremonie. Zehn neue Bäume pflanzte der Umweltaktivist Never Bonde auf dem Gelände der Polizeistation Ross Camp in Bulawayo, Simbabwes zweitgrößter Stadt, im September vergangenen Jahres. Fünf der jungen Bäume wurden nach lokalen Amtsträger*innen und Unterstützer*innen benannt. Doch die kleine Veranstaltung war gleichzeitig Beginn eines wesentlich größeren Vorhabens: Sie sei der erste sichtbare Schritt, sagt Bonde, auf dem Weg zu seinem Ziel, bis 2030 in ganz Bulawayo 500.000 Bäume zu pflanzen.

Für Bonde ist es nicht die erste Baumpflanzaktion. Seit Jahren bringt er mit seiner Organisation Isandla Esihle/Ruoko Rwakanaka Setzlinge in Schulen, öffentliche Einrichtungen und Wohnviertel. Sein Engagement hat ihm zudem den Titel des nationalen Baumbotschafters Simbabwes eingebracht.

Doch bei der jüngsten Kampagne geht es Bonde nicht nur darum, Bulawayo grüner zu machen oder alte und gefährliche Bäume in Parks, Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu ersetzen. Sein Vorhaben ist Teil eines weit größeren Plans: Simbabwe möchte Projekte wie Aufforstungen in eine regulierte CO₂-Wirtschaft einbinden. Seit Mai 2025 müssen sich Klimaprojekte gemäß den neuen Regelungen zum Handel mit CO₂-Zertifikaten bei der Zimbabwe Carbon Markets Authority (ZiCMA) registrieren. Wenn Initiativen wie die von Bonde künftig CO₂-Zertifikate erzeugen und verkaufen möchten, müssen sie innerhalb des neuen Systems arbeiten. Auf diese Weise können sie Finanzmittel von Unternehmen oder Ländern erhalten, die ihre Emissionen kompensieren wollen.

„Das System verleiht unserem Projekt Glaubwürdigkeit“, sagt Bonde. „Es geht nicht mehr nur darum, Bäume zu pflanzen, sondern darum, Teil der umfassenderen Klimastrategie Simbabwes zu sein. Damit die Menschen aber wirklich davon profitieren können, müssen sie verstehen, wie CO₂-Märkte funktionieren.“

Ein Preis für CO₂

Ein CO₂-Zertifikat entspricht einer Tonne Kohlendioxid oder der entsprechenden Menge anderer Treibhausgase, die der Atmosphäre entzogen wurden oder deren Ausstoß verhindert wurde. Regierungen, Unternehmen und andere Käufer*innen können solche Zertifikate nutzen, um eigene Emissionen auszugleichen. Die Projekte, die sie ausstellen, erhalten dafür eine finanzielle Vergütung.

Schon vor Einführung der neuen Regeln gab es in Simbabwe CO₂-Projekte. Die Behörden waren jedoch der Ansicht, dass der Sektor nicht ausreichend kontrolliert wurde und das Land zu wenig von den erzeugten Zertifikaten profitierte. Die neuen Vorschriften von 2025 legen deshalb Regeln für die Registrierung, Überwachung und Genehmigung von CO₂-Projekten fest.

Ein neues nationales Register erfasst Projekte und Zertifikate zudem mithilfe von Blockchain-Technologie, die einen sicheren und transparenten Datenaustausch ermöglicht. ZiCMA zufolge soll das System die Nachverfolgbarkeit verbessern und verhindern, dass dieselbe Emissionsminderung mehrfach angerechnet wird. „Früher konnte jeder irgendwo ein Projekt registrieren, wodurch die Gefahr bestand, dass Zertifikate doppelt ausgestellt wurden“, sagt Tirivanhu Muhwati vom Umweltministerium. Das Register verschaffe der Regierung nun einen besseren Überblick darüber, was wo gehandelt werde.

Projekten wie dem von Bonde könnte das neue System künftig ermöglichen, die durch Baumpflanzungen erzeugten CO₂-Zertifikate von ihrer Entstehung bis zu ihrem Verkauf nachzuverfolgen.

Ob die Erwartungen erfüllt werden, ist offen

Die Regulierung allein garantiert jedoch noch nicht, dass CO₂-Märkte den Gemeinden tatsächlich nennenswerte Einnahmen bringen. Das neue System in Simbabwe befindet sich noch in einem frühen Stadium. Bis vergangenen Juni hatten erst vier Projekte das Registrierungsverfahren vollständig abgeschlossen, 19 weitere befanden sich in unterschiedlichen Phasen des Prozesses. Weder der Staat noch die Gemeinden hatten bis dahin größere finanzielle Erträge aus dem neuen System erzielt.

Damit sind Initiativen wie die von Bonde Teil eines größeren Experiments: Wird es durch den Markt für CO₂-Zertifikate tatsächlich gelingen, dass Menschen ihr Umweltengagement in Einnahmen umwandeln können? Bonde jedenfalls misst seinen Erfolg vorerst darin, ob seine Kampagne nicht nur Hunderttausende weitere Bäume pflanzt, sondern auch daran, ob sich die Menschen überhaupt um die neuen jungen Bäume kümmern. „Wir laden alle ein, sich uns anzuschließen und in dieser Saison mindestens einen Baum zu pflanzen und zu pflegen“, sagte er zum Auftakt der Kampagne.

Quelle

Zimbabwe Carbon Markets Authority

Lungelo Ndhlovu ist freiberuflicher Journalist aus Bulawayo, Simbabwe. 

ndlovu.lungelo@gmail.com 

Dieser Beitrag ist Teil des „89 Percent Project“, einer Initiative der globalen Journalismus-Kooperation „Covering Climate Now“.

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