Feuchtgebiete
Wie sich das Dorf Kasibo in Simbabwe neu erfand
Sobald Gertrude Moyo ihr Kind für die Schule fertig gemacht hat, macht sie sich auf den Weg zum Gemeinschaftsfeld ihres Dorfes. Es ist eine Routine, an die sie sich in den vergangenen Jahren gewöhnt hat. Der Acker in dem Dorf Kasibo im Distrikt Hwange im Westen Simbabwes ist zu ihrem Arbeitsplatz geworden; er deckt den Bedarf an Gemüse für ihre Familie.
Nur wenige Jahre bevor sie mit dem Gemüseanbau begann, hätte die 43-Jährige die Hoffnung auf ein Leben in Kasibo beinahe aufgegeben. Mehrere Jahre in Folge war es zu Dürren gekommen, für viele Dorfbewohner*innen ein klares Zeichen des Klimawandels in einer Region, die ohnehin durch geringe Niederschläge und hohe Temperaturen gekennzeichnet ist. „Die Lage war zum Verzweifeln, ich konnte meine Familie nicht durch die Landwirtschaft ernähren“, erinnert sich Gertrude Moyo.
Zu den wichtigen Wirtschaftszweigen des Distrikts Hwange zählen Kohlebergbau, Naturschutz und Tourismus. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch auf Landwirtschaft angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Während einige Gemeindeglieder aufgrund der Dürren das Risiko einer Auswanderung nach Südafrika abwogen, erinnerten sich andere daran, dass ein Feuchtgebiet die Gegend früher mit genügend Wasser versorgte. Dann aber war die Bevölkerung gewachsen, es wurde immer mehr Vieh gehalten. Der Wasserbedarf stieg und die Rinder drangen in sensible Bereiche des Feuchtgebiets ein, das nicht gut gemanagt wurde und mit der Zeit degradierte.
„Unsere Kinder wussten nichts von diesem Feuchtgebiet, weil es vollkommen zerstört war“, sagt Gertrude Moyos Nachbarin Nomsa Ncube. „Wir gehörten zu denen, die es zerstört hatten, und wir konnten daran nichts Falsches erkennen. Das änderte sich, als sich die Auswirkungen des Klimawandels verschlimmerten.“
Von Degradierung zu gezieltem Management
Die Gemeinde beschloss, das Feuchtgebiet wiederherzustellen. Eine Gruppe von 31 Frauen und neun Männern aus der Gemeinde rief 2017 das Kasibo-Feuchtgebiet-Projekt ins Leben. Mit Hilfe von Behörden und anderen Unterstützern gelang es, das Management des Gebiets entscheidend zu verbessern. Unter anderem wurde ein Kerngebiet eingezäunt und darauf geachtet, Quellen besser zu schützen. „Wir haben es versucht, und es funktioniert“, sagt Nomsa Ncube.
Zu den Förderern des Projekts zählen simbabwische Behörden wie die Environmental Management Authority, die Agricultural Rural Advisory Services und der Hwange Rural District Council. Weitere Unterstützung kam vom UN-Welternährungsprogramm, der gemeinnützigen Organisation World Vision und der Zimbabwe Parks And Wildlife Management Authority.
Im Zentrum des Projekts steht ein landwirtschaftlicher Betrieb auf zwei Hektar Land. Neben Gemüse baut die Gemeinschaft auch Mangos und Orangen an und hält Bienen. Das erzeugte Obst und Gemüse wird unter den Mitgliedern aufgeteilt, die es teilweise in der nahegelegenen Stadt Hwange verkaufen. Einige Mitglieder haben vor, weitere lukrative Märkte zu erschließen, wie die ebenfalls nicht weit entfernte Stadt Victoria Falls bei den gleichnamigen, weltberühmten Wasserfällen.
Jenseits des wirtschaftlichen Nutzens für die Bewohner*innen beherbergt das Kasibo-Feuchtgebiet ein reichhaltiges Ökosystem, zu dem Antilopen, Otter und eine Vielzahl von Fischarten gehören. Kasibo ist somit eines von zwei funktionsfähigen Feuchtgebieten im Distrikt Hwange. Drei weitere sind degradiert, ohne dass derzeit Sanierungspläne in Sicht wären. Nach Angaben der zivilgesellschaftlichen Organisation Zimbabwe Environmental Law Organisation (ZELO) bedecken Feuchtgebiete etwa drei Prozent der Landesfläche von Simbabwe. Davon seien lediglich 21 % in stabilem Zustand, während 18 % stark geschädigt und 61 % mäßig geschädigt seien.
Sieben besonders geschützte Feuchtgebiete in Simbabwe
Simbabwe ist Unterzeichnerstaat der Ramsar-Konvention, einem globalen zwischenstaatlichen Vertrag für nationale Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit zum Schutz von Feuchtgebieten. Das Land hat sieben Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung ausgewiesen, die besonders geschützt sind: den Victoria-Falls-Nationalpark, den Cleveland-Damm, den Mana-Pools-Nationalpark, die Chinhoyi-Höhlen, die Driefontein-Graslandschaften, das Monavale Vlei und das Gebiet der Seen Chivero und Manyame. Die Gesamtfläche der Ramsar-Gebiete in Simbabwe beträgt gut 450.000 Hektar.
Das wachsende Bewusstsein dafür, wie wichtig Feuchtgebiete für Simbabwe sind, zeigt sich auch daran, dass 2025 die 15. Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Konvention in Victoria Falls stattfand. Es war das erste Mal, dass Simbabwe die Konferenz ausrichtete. Die Vertreter*innen aus mehr als 170 Ländern bekräftigten unter anderem ihre Absicht, Wasservögel und Flussdelfine besser zu schützen. Im Rahmen der Tagung besuchten die Teilnehmenden auch das Kasibo-Feuchtgebiet.
Gertrude Moyo, Nomsa Ncube und andere Mitglieder des Projekts sind in ihrem Dorf und den benachbarten Gemeinden zu Fürsprecher*innen für den Schutz von Feuchtgebieten geworden. Sie setzen sich dafür ein, kostbare Ressourcen zu schützen, auch um die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.
Solches Engagement ist wichtiger denn je: Feuchtgebiete sind nicht nur nützlich als Quellen, Speicher und Filter von wertvollem Wasser und als Heimat für zahlreiche Arten. Sie können auch 50-mal mehr Kohlenstoff speichern als Regenwälder und helfen so im Kampf gegen die Klimakrise. Dennoch degradieren laut dem Global Wetland Outlook 2025 die Feuchtgebiete in vielen Weltregionen weiterhin, insbesondere in Lateinamerika, der Karibik und Afrika, aber auch in Europa, Nordamerika und Ozeanien.
Quelle
Global Wetland Outlook 2025
Calvin Manika ist ein international tätiger Journalist mit Sitz in Simbabwe. Er berichtet über sozioökonomische Themen, Umwelt, Regierungsführung, Nachhaltigkeit und Handel.
cloudgoreiyezi@gmail.com
Dieser Beitrag ist Teil des „89 Percent Project“, einer Initiative der globalen Journalismus-Kooperation „Covering Climate Now“.