Entwicklung und
Zusammenarbeit

Katastrophenschutz und -vorsorge

Mehr als nur Überleben nach Zyklonen

Bangladesch hat es geschafft, seine Bewohner*innen wesentlich sicherer durch Wirbelstürme zu bringen als früher. Jetzt geht es darum, die Lebensgrundlagen für die Zeit zwischen den Zyklonen zu erhalten. Ein wichtiges Thema ist der Kampf gegen Versalzung.
Das Dorf Pratab Nagar in der Provinz Satkhira ist einer von vielen Orten in Bangladesch, die vom Klimawandel betroffen sind, etwa durch steigende Wasserstände, Erosion und Versalzung. picture alliance / Hans Lucas / Martin Bertrand
Das Dorf Pratab Nagar in der Provinz Satkhira ist einer von vielen Orten in Bangladesch, die vom Klimawandel betroffen sind, etwa durch steigende Wasserstände, Erosion und Versalzung.

Wegen seiner Lage am Golf von Bengalen wird Bangladesch immer wieder von starken Wirbelstürmen getroffen. Das tiefliegende Land hat eine hohe Bevölkerungsdichte, und in der Vergangenheit waren enorme Opferzahlen zu beklagen: Mindestens 300.000 Menschen kamen ums Leben, als der Zyklon Bhola 1970 auf Ostpakistan traf, das heutige Bangladesch. Im Jahr 1991 verloren etwa 140.000 Menschen bei einem Zyklon im Distrikt Chittagong ihr Leben. 

Es ist also ein großer Erfolg, dass Bangladesch seit 2007 in keinem Jahr mehr als 200 Todesfälle verzeichnet hat, trotz starker Wirbelstürme. Dazu haben verschiedene Maßnahmen beigetragen, etwa Frühwarnsysteme, Zyklonschutzräume, geschulte Freiwillige, Programme in Schulen und lokale Evakuierungspläne. Tatsächlich hat sich Bangladesch inzwischen zu einem Vorbild für andere Länder entwickelt, wenn es um den Schutz vor Wirbelstürmen geht. 

Obgleich sich die Katastrophenvorsorge deutlich verbessert hat, sieht sich die Bevölkerung dennoch weiterhin mit erheblichen Schäden durch Wirbelstürme konfrontiert. Die nächste große Herausforderung für Bangladesch wartet deshalb schon: dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung ihr Leben auch nach starken Zyklonen sicher weiterführen kann. Die Lebensgrundlagen der Menschen besser zu sichern, ist wegen der voranschreitenden Klimakrise dringlicher denn je.

Demolierte Deiche, zerstörte Häuser

Welche Probleme dabei auftauchen können und wie sie zu bewältigen sind, zeigt ein Blick nach Satkhira, ein Bezirk im Südwesten Bangladeschs, der zum Teil an der Küste liegt. Als ich 2011 zum ersten Mal nach Satkhira reiste, war es zwei Jahre her, dass der Zyklon Aila einen Großteil der Südwestküste Bangladeschs verwüstet hatte. Ich erinnere mich noch gut an die beschädigten Deiche, das salzhaltige Wasser, die zerstörten Häuser und die Menschen, die versuchten, ihr Leben wieder aufzubauen, lange nachdem der Sturm aus den Nachrichten verschwunden war.

Seither habe ich die Küstenregion in Satkhira viele Male besucht. Unter anderem arbeitete ich mit Gemeinden in Gegenden, die besonders von der Klimakrise betroffen sind, zum Thema Anpassung. Eine Erkenntnis drängte sich besonders auf: Ein Zyklon ist keineswegs vorbei, wenn der Wind nachlässt. Oder wie ein Einwohner es während einer Diskussion vor Ort auf den Punkt brachte: „Der Zyklon kommt und geht, aber das Salz bleibt im Boden und im Wasser.“ 

Der Kampf gegen das Salzwasser

Versalzung ist eines der größten Probleme, mit denen die Bevölkerung nach Zyklonen zu kämpfen hat. Salziges Meerwasser drückt – insbesondere, wenn Deiche beschädigt werden – ins Landesinnere und richtet dort enorme Schäden an. Es flutet Süßwasserteiche, Ackerflächen und Kanäle, kann das Grundwasser beeinträchtigen und schränkt auch die Auswahl an Feldfrüchten ein, die angebaut werden können. Zu den Folgen der Versalzung zählen Trinkwasserknappheit, Ernteausfälle und erhöhte gesundheitliche Risiken. 

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die Versalzung entlang der Küste Bangladeschs ausbreitet und dort den Alltag verändert. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in Satkhira ergab, dass die Belastung durch Versalzung mit Problemen der reproduktiven Gesundheit bei Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren in Verbindung steht. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen erhöht, solche Probleme zu bekommen, wenn sie in Berufen mit Kontakt zu Salzwasser arbeiten und zur nächsten sicheren Trinkwasserquelle oder Gesundheitseinrichtung weite Strecken zurücklegen müssen.

Um gegen die Folgen der Versalzung anzugehen, sind Mittel nötig, über die viele Familien nicht ohne Weiteres verfügen. Sie müssen sich teils Geld leihen, Vermögenswerte verkaufen oder sogar ein Familienmitglied wegschicken, damit es anderswo Arbeit findet. Die Katastrophe endet für sie also nicht, wenn der Sturm vorbeigezogen ist, sondern setzt sich fort durch beschädigte Infrastruktur, Einkommensverluste und tägliche Unsicherheit. 

Die eskalierende Klimakrise verschärft die Situation. Eine aktuelle MIT-Studie warnt davor, dass sich die Gefahr durch Sturmfluten entlang der tiefliegenden Küste Bangladeschs drastisch erhöhen könnte, insbesondere wegen des Anstiegs des Meeresspiegels und stärkerer Zyklone. Bei mittleren bis hohen Emissionsszenarien könnte sich die Wiederkehrperiode schwerer Sturmfluten deutlich verkürzen, von Jahrzehnten auf wenige Jahre.

Das bedeutet, dass die bestehenden Schutzsysteme Bangladeschs unter zunehmenden Druck geraten können. Die Klimakrise bedroht nicht nur die Wasserversorgung der Küstengemeinden, sondern auch ihre Gesundheit und Infrastruktur. Mehr Sturmfluten bedeuten auch ein höheres Risiko für Ufererosion. Insgesamt wirken Risiken zusammen und verstärken sich. Wo etwa Landwirtschaft und Fischzucht durch Versalzung beeinträchtigt werden, fehlt es den Menschen an der wirtschaftlichen Basis, um sich gegen künftige Katastrophen abzusichern – was wiederum dazu führt, dass Katastrophen potenziell stärkere Folgen haben.

Wie die Bevölkerung reagiert

Während meiner Arbeit für das International Centre for Climate Change and Development (ICCCAD) und BRAC, eine der größten globalen Entwicklungsorganisationen – beide mit Sitz in Bangladesch – habe ich miterlebt, wie Anpassungsprojekte versuchten, auf die sich verändernden Umstände zu reagieren. Einige Projekte unterstützten beispielsweise die Bewertung der Klimavulnerabilität auf Gemeindeebene und die lokale Resilienzplanung. Andere konzentrierten sich auf Trinkwasser, klimaresiliente Lebensgrundlagen, die Stärkung von Frauen, Sensibilisierungsmaßnahmen und institutionelle Kapazitäten. 

All diese Bemühungen sind wichtig. Sie lindern Leid und geben den Gemeinden Instrumente an die Hand, um Risiken zu bewältigen, die schon jetzt das Leben der Menschen beeinträchtigen. Zudem verdeutlichen sie eine zentrale Erkenntnis aus Satkhira: Ob ein Anpassungsprojekt gelingt, sollte nicht nur daran gemessen werden, was es während der Projektphase leistet, sondern auch daran, ob die Bevölkerung nach dem Projektende weniger anfällig ist.

Nicht jede Anpassung ist nachhaltig und gerecht. Weichen Bewohner*innen etwa von Landwirtschaft auf Shrimpzucht aus, können sie damit möglicherweise ein höheres Einkommen erzielen. Der Wechsel kann aber auch den Salzgehalt des Bodens erhöhen oder Gewinne bei mächtigeren Landbesitzer*innen und Investor*innen konzentrieren. Eine Studie über den Wandel von der Reis- zur Shrimpzucht an der Küste Bangladeschs ergab etwa, dass die Ausweitung der Shrimpzucht den Salzgehalt im Boden erhöhte, sodass sich die Bedingungen für Reisanbau verschlechterten. Dies führt dazu, dass Teile der lokalen Bevölkerung abwandern möchten.

Solche Formen der Anpassung können insbesondere für arme Haushalte eher zu unsicheren Arbeitsverhältnissen führen als zu echter Resilienz. Wenn sie am Ende weniger Wahlmöglichkeiten haben, dafür aber mehr Schulden oder keine andere Option als Notmigration, dann ist die Anpassung nicht gelungen.

Bessere Instandhaltung 

Ein wichtiger Aspekt für den Erhalt von Lebensgrundlagen in Bangladesch ist es auch, Deiche, Entwässerungssysteme, Zyklonschutzräume und Trinkwasserversorgungssysteme besser instand zu halten als bisher. Dafür sind auch eine transparente Planung und Koordination zwischen Regierungsbehörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gemeinden nötig. Die MIT-Studie kommt zu dem Schluss, dass Bangladesch seine Küstenschutzstrategien im Hinblick auf künftige Sturmflutgefahren neu bewerten muss, einschließlich der Risiken, die von aufeinanderfolgenden und sich verstärkenden Zyklon- und Monsunereignissen ausgehen.

Die Regierung sollte Klimasicherheit als grundlegende öffentliche Dienstleistung betrachten. Dazu gehört:

  • eine zuverlässige Trinkwasserversorgung,
  • die präventive Instandhaltung von Deichen, Entwässerungssystemen und Zyklonschutzräumen,
  • die regelmäßige Überwachung von Versalzung und deren gesundheitlichen Auswirkungen und
  • soziale Absicherung für Haushalte, deren Lebensgrundlagen bereits beeinträchtigt sind. 

Auch gilt es, Kommunalverwaltungen zu stärken. Sie benötigen mehr Befugnisse und Ressourcen, um Risiken zu erkennen, bevor sie zu Katastrophen werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten die Gemeinden weiterhin unterstützen und zugleich den Menschen dabei helfen, von Behörden Rechenschaftspflicht einzufordern in Bezug auf Dienstleistungen, Infrastruktur und Klimafinanzierung. Der Privatsektor schließlich sollte Aquakultur verantwortungsvoll betreiben und sich für faire Märkte, klimaresiliente Arbeitsplätze und erschwingliche Versicherungen einsetzen. Letztere sollten arme Haushalte einbeziehen, anstatt sie auszuschließen. 

Weltweit erleben derzeit viele Küstenregionen einen Wandel von plötzlichen Katastrophen hin zu wiederkehrender Klimaunsicherheit. Wie Satkhira können auch sie davon profitieren, bei der Beurteilung von Anpassungsstrategien einen stärkeren Fokus auf nachhaltigen Erfolg zu legen. Die Zahl der geschulten Menschen, erreichten Haushalte, errichteten Notunterkünfte, installierten Trinkwasserzugänge oder unterstützten Frauen – all das sind wertvolle Statistiken. Sie sind aber nur ein Teil der Wahrheit. Der eigentliche Test besteht in der Frage, ob die Menschen im Laufe der Zeit weniger anfällig werden für lebensbedrohliche Auswirkungen von Katastrophen. Ob Süßwasserressourcen, Land, Gesundheit und Infrastruktur langfristig geschützt sind – und mit ihnen die Würde der Menschen, die unter schwierigen Bedingungen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Md. Bodrud-Doza ist Postdoktorand an der University of Guelph, Kanada. Er arbeitet an den Schnittstellen zwischen Landwirtschaft, Umwelt, Klima und Governance. 
bodruddoza.env12@gmail.com

Dieser Beitrag ist Teil des „89 Percent Project“, einer Initiative der globalen Journalismus-Kooperation „Covering Climate Now“.

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