Entwicklung und
Zusammenarbeit

Kleptokratie

Trump bereichert sich privat durch sein öffentliches Amt

Donald Trump wird als Präsident der USA ständig reicher. Sein korruptes Verhalten entspricht einem klaren Muster. Hoffentlich bemerkt es das amerikanische Wahlvolk vor den Kongresswahlen Anfang November.
rump und der indonesische Präsident Prabowo Subianto im Oktober 2025 auf dem Friedensgipfel in Sharm El Sheikh, wo sie offenbar auch über Immobilienprojekte sprachen, an denen ein Sohn Trumps beteiligt ist. picture alliance / empics / Suzanne Plunkett
rump und der indonesische Präsident Prabowo Subianto im Oktober 2025 auf dem Friedensgipfel in Sharm El Sheikh, wo sie offenbar auch über Immobilienprojekte sprachen, an denen ein Sohn Trumps beteiligt ist.

Wer sich mit Kleptokratie und autoritärer Herrschaft auskennt, konnte Trumps Amtsverständnis schon immer leicht durchschauen. Schon nach seinem ersten Wahlerfolg 2016 – aber vor seinem Einzug ins Weiße Haus – sagte der TV-Satiriker Trevor Noah in der Daily Show voraus, wie er regieren würde. Er verglich Trump mit afrikanischen Diktatoren. Das Video war witzig, aber die Botschaft ernst. Laut Noah war Trump wie ein typischer Despot für Lügen, Vettern- und Günstlingswirtschaft bekannt. Seine Neigung zu Verschwörungstheorien, seine Geringschätzung unabhängiger Medien und seine Missachtung von Rechtsnormen passten ins Bild.

Wer sich den Sketch heute anschaut, fragt sich, warum es vielen Journalist*innen immer noch schwerfällt, Selbstbereicherung als Grundmuster der ansonsten erratischen Amtsführung Trumps zu benennen. Seine Politik ist sprunghaft. Was er heute sagt, widerspricht oft den Äußerungen von gestern, und morgen behauptet er wahrscheinlich wieder etwas ganz anderes. Sein Privateinkommen stieg derweil laut offiziellen Angaben von 622 Millionen Dollar 2024, als er noch nicht ins Weiße Haus zurückgekehrt war, auf 2,2 Milliarden im Jahr 2025, als er wieder regierte.

Seine kleptokratischen Neigungen reichen weit über die USA hinaus. Die vietnamesische Regierung brach ihr eigenes Planungsrecht, um der Trump Organization, dem Familienunternehmen des Präsidenten, ein Immobilienprojekt im Wert von 1,5 Milliarden Dollar beschleunigt zu bewilligen. Es geht um einen Golfplatz mit mehreren Gebäuden und Geschäften. Verkündet wurde die Genehmigung kurz vor dem Start von Handelsverhandlungen mit den USA. Das kommunistische Regime wollte offensichtlich in der Hoffnung auf niedrigere Zölle Trump einen Gefallen tun.

So läuft es auch anderswo. Internationale Medien berichteten Ende 2025 von einem kurzen informellen Austausch Trumps mit seinem indonesischen Amtskollegen Prabowo Subianto. Prabowo bat um Kontakt zu einem von Trumps Söhnen. Da ein Mikrofon angeschaltet war, war zu hören, dass Trump ihm daraufhin einen Anruf seines Sohnes Eric versprach. Seinerzeit wollte Eric Trump bekanntlich trotz juristischer Probleme Immobilienvorhaben in Indonesien wiederbeleben. Prabowo nannte sogar den Namen von Erics Geschäftspartner.

Desinteresse republikanischer Parteigrößen

Normalerweise hätte solch ein Wortwechsel Empörung ausgelöst. Politiker*innen von Trumps Republikanischer Partei störten sich aber nicht daran, dass ihr Staatschef Außenpolitik mit privatem Nutzen verband. Wenige Jahre zuvor hatten dieselben Leute sich demonstrativ über Hunter Biden aufgeregt, der dem Aufsichtsrat einer ukrainischen Firma beigetreten war, als sein Vater Joe Vizepräsident war. Damals lautete die Klage, der Sohn profitiere vom Amt des Vaters.

Hunter Bidens Einnahmen beliefen sich dabei auf 50.000 Dollar im Monat. Das ist viel Geld – aber recht wenig verglichen mit den Summen, die der Trump-Clan einsackt. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beschaffte sich für seine Immobilienfirma eine Investition im Wert von 2 Milliarden Dollar von Mohamed bin Salman. Als offizieller Gesandter des Weißen Hauses hatte er Saudi-Arabiens Kronprinz und Machthaber persönlich kennengelernt.

Die US-Verfassung verbietet Präsident*innen und anderen Amtsträger*innen, Geld oder Begünstigungen aus dem Ausland anzunehmen. Es sind Fälle bekannt, in denen Trump das getan hat. Wer ihm einen Gefallen tun wollte, stieg beispielsweise während seiner ersten Amtszeit in Washington im Trump International Hotel ab. Es wurde verkauft, als er aus dem Amt ausschied.

Die Bahamas gelten als Steuerparadies.

Heute dient Trumps Kryptofirma World Liberty Financial einem ähnlichen Zweck. Kurz vor seiner zweiten Vereidigung im Januar 2025 erwarb ein Unternehmen aus dem Umfeld der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate einen Anteil von 49 % an dieser Firma. Die neue Trump-Regierung genehmigte einige Monate später trotz Sicherheitsbedenken den Export von Computerchips dorthin.

Medienberichte haben Trumps Einnahmen aus Kryptogeschäften 2025 auf mindestens 1,4 Milliarden Dollar beziffert. Dabei brach der Wert seiner Kryptoprodukte deutlich ein, sodass Anlegerverluste sich auf 3,8 Milliarden Dollar beliefen. In den Schlagzeilen blieb das nur kurz. Presse, Funk und Fernsehen beschäftigen sich nur mit Trumps einzelnen Korruptionsfällen, wenn es öffentliche Entrüstung gibt.

Empörung über Infantino und Albaniens Regierung

Manche Versuche, Trumps Gunst mit lukrativen Deals zu gewinnen, schlagen jedoch spektakulär fehl. In Albanien brachen zum Beispiel Anfang 2026 Proteste aus, als die Regierung Kushners Vorschlag zustimmte, ein Tourismuszentrum in einem Naturschutzgebiet mit Flamingo-Habitat zu bauen. Die albanische Jugend, die sich vernachlässigt fühlt und keine Perspektiven findet, begann zu demonstrieren. Erst im Oktober eskalierten ihre Proteste erneut.

Der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, Gianni Infantino, hat ebenfalls Ärger bekommen. Er wollte Anteile an künftigen Weltmeisterschaften an Kushners Bruder Joshua und andere Investoren verkaufen. Das gefiel vielen nationalen Fußballverbänden nicht, weil es ihren Geschäftsmodellen widersprach. Infantinos Job an der FIFA-Spitze wackelt nun.

Korruption bedeutet, privaten Nutzen aus einem öffentlichen Amt zu ziehen. Weil die Versuchung dazu stark ist, müssen Demokratien die Interessenkonflikte ihrer Führungskräfte kontrollieren. Früher insistierten US-Institutionen auf entsprechende Regeln, aber unter Trump versagen sie oft. Das schlimmste Beispiel war vermutlich, dass der Supreme Court 2024 entschied, Präsident*innen genössen für jegliches Amtshandeln Straffreiheit. 

Ein aktuelleres Beispiel ist, dass der republikanisch beherrschte Senat die Berufung von Trumps privatem Anwalt Todd Blanche zum Justizminister bestätigte. Dieses Amt ist eigentlich dazu da, Rechtsstaatlichkeit unabhängig von Weisungen des Weißen Hauses zu sichern. Blanches Priorität ist aber offensichtlich, dem Präsidenten zu gefallen.

Fraglich ist, ob die US-Öffentlichkeit die Korruption auf Dauer duldet. In Georgia hat Senator John Ossoff, der sein Amt behalten will, sie zum Hauptthema seines Wahlkampfs gemacht. Gute Umfragewerte zeigen, dass die Botschaft ankommt. Anderen demokratischen Kandidat*innen ist das aufgefallen – und das kann ihnen landesweit bei den Kongresswahlen nutzen.

Hans Dembowski ist ehemaliger Chefredakteur von E+Z. 
dembowski@posteo.de 

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