E-Mobilität
Impulse für Handel in Afrika: Das Potenzial „elektrischer Korridore“
Die EV-Branche steckt in Afrika noch in den Kinderschuhen, wächst aber rasant. Das Institute for Transportation and Development Policy Africa (ITDP), eine zivilgesellschaftliche Organisation, berichtete im November, dass der Absatz von elektrischen Fahrzeugen mit zwei oder drei Rädern im Vergleich zum Vorjahr um 38 % und der von Elektroautos um 28 % gestiegen sei. Laut ITDP sind in Afrika mindestens 30.000 EVs im Einsatz.
Zwar wird diese Zahl noch von den zig Millionen konventionellen Fahrzeugen in Afrika in den Schatten gestellt, doch gibt es Grund zur Zuversicht. Afrikas Elektrofahrzeugmarkt, der 2025 auf etwa 450 Millionen Dollar geschätzt wurde, könnte sich laut Analysen bis 2030 verzehnfachen. In Ländern wie Sambia beispielsweise stiegen die Importe von Elektrofahrzeugen – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus – sprunghaft an, nachdem die Regierung die Zölle abgeschafft hatte.
Hinter dieser Entwicklung steckt eine wirtschaftliche Logik, wie das ITDP analysiert. Einfach ausgedrückt: Elektrische Motorräder, Lieferflotten, Busse und Taxis sparen Geld. So werden die Ladekosten für eine Fahrt von 100 Kilometern mit einem elektrischen Zwei- oder Dreirad in Kenia auf etwa einen Dollar geschätzt, verglichen mit etwa sechs Dollar oder mehr bei einem konventionellen Fahrzeug. Die Zahlen stammen aus der Zeit vor dem Anstieg der Kraftstoffpreise infolge der durch den Irankrieg ausgelösten Energiekrise.
Elektrofahrzeuge sind mehr als nur Fahrzeuge. Sie sind eine rollende Nachfrage nach Strom, Software, Batterien, Ladediensten, Wartungsarbeiten, Versicherungsprodukten, Datenanalysen und neuen Finanzierungsmodellen. Wenn dieses Ökosystem bewusst aufgebaut wird, kann die Einführung von E-Fahrzeugen nicht nur zu einer saubereren Art der Personenbeförderung werden, sondern auch zu einem Motor für den innerafrikanischen Handel. Die kleine, aber wachsende Zahl von E-Fahrzeugen in Afrika steht insofern für einen im Entstehen begriffenen Markt und eine Chance für einen Industriekorridor für die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA).
Das Projekt „Road to Africa“
Diese Chance wurde am 5. Oktober 2025 im Vorfeld der Africa E-Mobility Week sichtbar, als eine Flotte von Elektrofahrzeugen unter dem Motto „Road to Addis“ von Nairobi nach Addis Abeba aufbrach. Es war die erste Reise der Initiative „Road to Africa“, eines mehrjährigen Projekts zur Erprobung, Dokumentation und Beschleunigung elektrischer Handelskorridore im Einklang mit der AfCFTA. „Road to Addis“ ist eine Initiative der Medienunternehmen Intro Africa und Thought Leader Africa.
Um herauszufinden, was für Langstreckenfahrten mit E-Fahrzeugen in Afrika erforderlich ist, nehmen die „Road to Africa“-Konvois Engpässe ins Visier, die Händler*innen nur allzu bekannt sind, wie die Straßenqualität und Verzögerungen an den Grenzen. Außerdem prüfen sie die Zuverlässigkeit des Netzes, den Zugang zu Lademöglichkeiten und Lücken in der Infrastruktur. Während „Road to Addis“ optimierten KI-Tools die Routenführung und den Batteriezustand. Ingenieur*innen testeten die Ladeausrüstung unter extremer Hitze und beobachteten, was funktionierte und was nicht. In der ersten Hälfte der 1600 Kilometer langen Reise beliefen sich die Energiekosten auf etwa ein Sechstel der Kosten für benzinbetriebene Fahrzeuge, wie die Initiative berichtet.
In diesem Sommer geht die Reise weiter. Eine Expedition fährt von der ruandischen Hauptstadt Kigali nach Harare, die Hauptstadt Simbabwes, und weiter nach Beira, eine mosambikanische Stadt am Indischen Ozean. Bei Fertigstellung dieses Artikels hatte der Konvoi bereits Sambias Hauptstadt Lusaka erreicht. Die Teilnehmer*innen dokumentieren den Zustand der Infrastruktur, die Lademöglichkeiten und das allgemeine Potenzial für nachhaltigen Verkehr.
Eine dritte Expedition, „Road to Nairobi“, ist für September 2026 geplant. Der Konvoi von E-Fahrzeugen wird die erste Reise des Projekts in umgekehrter Richtung nachfahren, um zu sehen, was sich in der Zwischenzeit verändert hat und welche Herausforderungen noch bestehen.
Verbesserung der Grenzabfertigung
Bereits vor „Road to Africa“ war klar: Ohne effiziente Grenzabfertigung bleiben selbst die besten Elektrofahrzeuge an Kontrollpunkten stecken. Güter schneller, kostengünstiger und verlässlicher über Grenzen hinweg zu transportieren, ist ein Wunsch vieler wirtschaftlicher Akteure – und sie erwarten, dass die AfCFTA ihn erfüllt.
Als die digitale Zollplattform der AfCFTA im Jahr 2025 eingeführt wurde, war eines ihrer Ziele, die Bearbeitungszeiten für Dokumente deutlich zu verkürzen, etwa durch die Integration in nationale Steuersysteme und die Bereitstellung einer automatisierten Risikobewertung. Am Grenzübergang Beitbridge zwischen Südafrika und Simbabwe haben Modernisierungen und die digitale Zollplattform der AfCFTA die Abfertigungszeiten für Lkw von mehreren Tagen auf nur noch drei bis sechs Stunden verkürzt, wie Gewerkschaften in der AfCFTA berichten. Solche Verbesserungen müssen ausgeweitet werden, damit Verzögerungen an den Grenzen nicht länger den innerafrikanischen Verkehr und Handel behindern.
StromInfrastruktur stärken
Der Weg zu einer nachhaltigeren, zukunftsorientierten Infrastruktur in Afrika ist noch weit. Unter anderem müssen das Stromnetz und die Ladeinfrastruktur ausgebaut und zu einem möglichst hohen Anteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden. In Sambia stammen bereits jetzt mehr als 80 % des Stroms aus Wasserkraft, und der staatliche Energieversorger Zesco hat angekündigt, das Netzwerk aus Ladestationen zu erweitern.
Zudem gilt es, den grenzüberschreitenden Stromhandel zu erleichtern. In Afrika existieren mehrere sogenannte Power Pools, die die Stromnetze einzelner Länder miteinander verbinden. Sie könnten zur Basis voll integrierter regionaler Märkte werden, bleiben aber derzeit noch hinter den Erwartungen zurück.
Eine positive Entwicklung sind neue Partnerschaften zwischen Energieversorgern und Herstellern, um Ressourcen zu bündeln. Im September 2025 unterzeichnete etwa der südafrikanische Energieversorger Eskom eine Kooperationsvereinbarung mit dem chinesischen Elektrofahrzeughersteller BYD Auto South Africa. Ziel ist es unter anderem, die öffentliche Ladeinfrastruktur auszubauen.
Elektrische Korridore ausbauen
In der afrikanischen Energieinfrastruktur können elektrische Korridore eine wichtige Rolle spielen. Für Energieversorger und regionale Strompools schaffen sie eine vorhersehbare Stromnachfrage, die Netzausbauten und grenzüberschreitende Koordination rechtfertigt. Für Investoren bieten sie in der frühen Phase eine Chance auf skalierbare Projekte.
Die nächsten Schritte erfordern eine gezielte Koordination der beteiligten Länder. Insbesondere sollten die Regierungen elektrische Korridore in die Umsetzung der AfCFTA einbetten, indem sie Standards und Grenzverfahren entlang wichtiger Handelsrouten weiter angleichen. So lassen sich Kosten senken und die Effizienz steigern.
In diesem Sinne sollte „Road to Africa“ als Tor hin zu einer größeren Vision gesehen werden: einem Afrika, in dem Elektrofahrzeuge nicht nur Emissionen reduzieren, sondern die AfCFTA in den Alltag integrieren – durch schnellere Mobilität, effizientere Grenzverfahren und Branchen, die von Afrikaner*innen selbst gestaltet werden. Elektrische Korridore können dazu beitragen, diese Zukunft zu verwirklichen.
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Kenny Suze ist Forscher und Analyst am sambischen Thinktank Impact Center for Policy Research und Senior Security Officer bei dem sambischen Energieversorger Zesco.
kenny@impactcenterzambia.org
The next steps require targeted coordination among the participating countries. In particular, governments should embed electric corridors within AfCFTA implementation by aligning standards and border procedures along key trade routes. This will help reduce costs and increase efficiency.
In this sense, Road to Africa should be seen as a gateway to a bigger vision: an Africa where electric vehicles do not merely reduce emissions but also integrate AfCFTA into daily life through faster mobility, smarter borders and industries Africans own. Electric corridors can help deliver that future.
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Kenny Suze is a researcher and analyst at the Zambian think tank Impact Center for Policy Research and Senior Security Officer at the Zambian energy provider Zesco.
kenny@impactcenterzambia.org