Medien
Wie China seinen Einfluss auf Afrikas Medien ausbaut
Wer sich derzeit die Social-Media-Beiträge von Journalist*innen oder Influencer*innen in Kenia ansieht, stößt wahrscheinlich auf ein Foto eines Journalisten, der auf der Chinesischen Mauer wandert, oder auf ein Video einer Influencerin, die in den Straßen einer chinesischen Stadt tanzt. Dies ist zum Teil auf die Bemühungen der chinesischen Botschaft in Nairobi zurückzuführen, Medienvertreter*innen nach China einzuladen, aber auch auf die wachsende Beliebtheit chinesischer Social-Media-Apps in Kenia.
Laut einem Bericht des US-Technologieunternehmens Cloudflare aus dem Jahr 2025 ist TikTok in Kenia die zweitbeliebteste Social-Media-Plattform (nach Facebook) und nach Google und Facebook die drittgrößte Quelle des gesamten Internetverkehrs. Selbst unter den Messaging-Apps belegen die chinesischen Plattformen QQ und WeChat den zweiten und dritten Platz und liegen damit nur hinter WhatsApp.
China ist ein neuer Akteur in einer Region, in der das koloniale Erbe der westlichen Länder nach wie vor stark präsent ist – und das zu einer Zeit, in der der geopolitische Wettbewerb zwischen den Großmächten der Welt um das Wachstumspotenzial Afrikas und seine riesigen Bodenschätze in vollem Gange ist, sagt Admire Mare, Leiter des Fachbereichs für Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Johannesburg in Südafrika.
Laut Mare dienen Chinas Investitionen in afrikanische Medien der politischen und wirtschaftlichen Agenda des asiatischen Riesen. „Es geht darum, ihnen den Einstieg zu erleichtern“, sagt Mare. „Wenn man sich alle Medieninvestitionen ansieht, die China in Afrika getätigt hat, dann ist das Ziel, eine positive Berichterstattung über China zu fördern.“
Emeka Umejei, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Johannesburg und Autor des Buches „China in African media“, ist derzeit Gastwissenschaftler an der Academia Sinica in Taiwan. Seiner Ansicht nach scheint China subtil von einer staatlich gelenkten Medienexpansion zu einer stärker verankerten Form der Einflussnahme übergegangen zu sein, die auf Partnerschaften mit lokalen Medien sowie der Zusammenarbeit mit Journalist*innen und Influencer*innen basiert.
Traditionelle und soziale Medien
China hatte bereits zuvor Medienorganisationen in Afrika aufgebaut, darunter Rundfunk (China Radio International), Fernsehen (China Global Television Network, CGTN), Printmedien (China Daily) und digitale Medien (Websites und Social-Media-Seiten). Darüber hinaus unterhält die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua 37 Korrespondentenbüros in Afrika. Diese Organisationen pflegen aktive Partnerschaften und Vereinbarungen zum Austausch von Inhalten mit afrikanischen Medien.
China verlasse sich jedoch nicht mehr ausschließlich auf seine Medienunternehmen, um die Herzen und Köpfe der Menschen in Afrika für sich zu gewinnen, erklärt Umejei. „Es nutzt eine Vielzahl von Kanälen. Am wirksamsten sind dabei die von China finanzierten Journalistenaustauschprogramme, Medienpartnerschaften und Vereinbarungen zum Austausch von Inhalten“, sagt er.
Es scheint daher, dass China derzeit eine zweigleisige Strategie verfolgt, bei der es traditionelle Medien nutzt, um seine Glaubwürdigkeit zu stärken, und gleichzeitig auf soziale Medien setzt, um junge Zielgruppen für sich zu gewinnen.
In Kenia haben chinesische Nachrichtenorganisationen Vereinbarungen mit Medieninstitutionen wie der Kenya News Agency, der Kenya Broadcasting Corporation (dem staatlichen Rundfunkveranstalter) und dem Media Council of Kenya geschlossen. Diese Vereinbarungen umfassen Bereiche wie Fortbildung, Ausrüstung, Stipendien und Austauschprogramme.
Gleichzeitig stellten die Autor*innen eines Berichts von „Africa Check“ – einer Organisation, die sich für Informationsresilienz, Faktenprüfung und Medienkompetenz einsetzt – einen Anstieg der „Influencer-Diplomatie“ fest. Damit ist der Einsatz von Influencer*innen mit großer Reichweite gemeint, um chinesischen Narrativen eine Plattform zu bieten. „Das Risiko für die öffentliche Meinung liegt in der Entstehung einer emotionalen, weitgehend unkritischen Sympathie insbesondere bei jüngeren kenianischen Zielgruppen gegenüber chinesischen Interessen. Indem ästhetische Aspekte und persönliches Storytelling im Vordergrund stehen, können Influencer-Inhalte eine politikorientierte Debatte durch oberflächliche Lifestyle-Erzählungen verdrängen und so möglicherweise die Empfänglichkeit für externe Einflüsse erhöhen“, erklären die Verfasser*innen.
Investitionen in die Kommunikationsinfrastruktur
China investiert zudem in afrikanische Medienunternehmen und in die Kommunikationsinfrastruktur, beispielsweise durch ein umstrittenes Projekt, das 2016 ins Leben gerufen wurde: Als Sambia bei der Einführung digitaler Rundfunkdienste auf Schwierigkeiten stieß, sprang der einflussreiche Medienkonzern StarTimes – der enge Verbindungen zur chinesischen Regierung unterhält – ein und half durch die Gründung eines Joint Ventures, an dem er einen Anteil von 60 % hält.
StarTimes hat auch eine Schlüsselrolle beim Übergang Kenias zum digitalen Fernsehen gespielt, und Zahlen der staatlichen Kommunikationsbehörde vom März zeigen, dass das Unternehmen 44 % des kenianischen Marktes für digitales Fernsehen beherrscht.
Ein weiteres Beispiel ist der chinesische Technologieriese Huawei: Der Konzern arbeitet weiterhin mit dem kenianischen Unternehmen Safaricom, dem größten Telekommunikationsanbieter Ostafrikas, beim Aufbau von 5G-Netzen und der Infrastruktur für mobile Zahlungsdienste zusammen.
Reisen nach China als „Soft Power“
Chinas „Soft Power“ beruht darauf, dass einige Influencer*innen und Journalist*innen in Afrika – deren Medienunternehmen sich kaum Gehälter leisten können – sich China gegenüber verpflichtet fühlen, wenn sie zu einem Besuch eingeladen werden und eine Spesenpauschale erhalten. Laut dem Wissenschaftler Umejei berichten sie dann wahrscheinlich in einer chinafreundlichen Weise, in der Hoffnung, sich bei der örtlichen chinesischen Botschaft beliebt zu machen und erneut eingeladen zu werden.
„Einige von ihnen sind dorthin gereist und mit Geld zurückgekehrt. Damit haben sie Häuser gebaut oder laufende Projekte fertiggestellt. Manche haben sich Autos gekauft“, sagt Umejei unter Berufung auf Interviews mit Journalist*innen aus mehreren afrikanischen Ländern. Er fügt hinzu, dass einige der Begünstigten solcher Reisen nach China „in Redaktionen in ganz Afrika beginnen, sich für [Chinas] wirtschaftliche und politische Interessen einzusetzen, weil sie dorthin zurückkehren wollen.“
Das wirft einige ernste Fragen auf. Wie kann ein Land, das seine eigenen Journalist*innen inhaftiert, zu einem Anziehungspunkt für afrikanische Medienschaffende werden? Andererseits werben viele Länder um ausländische Journalist*innen – was ist also daran falsch, wenn China dasselbe tut?
Maßnahmenpaket zur Stärkung des chinesischen Einflusses
Umejei erklärt, Chinas Ziel sei es nicht, die Menschen in Afrika davon abzuhalten, Medien zu nutzen, die Interessen der geopolitischen Rivalen Chinas dienen, sondern sicherzustellen, dass pro-chinesische Botschaften die breite Öffentlichkeit in Afrika erreichen.
Berichte auf chinesischen Plattformen konzentrieren sich auf Megaprojekte, Tourismus und Erfindungen, um China als „entwickelt“ darzustellen. Die engen Verbindungen zwischen China und afrikanischen Regierungen sowie die seltene oder gänzlich fehlende kritische Berichterstattung über Demokratie, Wahlen oder Freiheit in den chinesischen Medien haben jedoch zweifellos Kritik seitens des afrikanischen Publikums hervorgerufen.
„Wenn es um politische oder wirtschaftliche Nachrichten geht, wird niemand CGTN vertrauen. Bei Themen wie Tourismus, Dokumentationen und Abenteuersendungen hingegen entscheiden sich die Zuschauer durchaus für CGTN“, sagt Umejei.
Mare fügt hinzu, dass Chinas aggressive Selbstdarstellung in den traditionellen und sozialen Medien sowie in der Unterhaltungsindustrie Teil des Instrumentariums ist, mit dem China seinen Einfluss in Afrika ausbauen will. Vor allem geht es darum, die eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen zu festigen – insbesondere angesichts rückläufiger Medieninvestitionen aus dem Westen.
Der Westen fällt in der afrikanischen Medienlandschaft zurück
Mare merkt an, dass die Befürchtungen des Westens hinsichtlich des chinesischen Einflusses in den afrikanischen Medien vor dem Hintergrund der rückläufigen westlichen Investitionen in die Medienentwicklung in Afrika betrachtet werden sollten. Stipendien und Austauschprogramme für Journalist*innen in westlichen Hauptstädten seien in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch zurückgefahren worden, argumentiert er.
Zudem haben Medienunternehmen im Westen ihre Reporterteams in Afrika reduziert, was dazu führt, dass wichtige Themen nicht mehr behandelt werden und sie dadurch ihr afrikanisches Publikum verlieren. Einige der Medien, die früher über geopolitisch relevante Themen aus Afrika berichteten, sehen sich in ihren Heimatländern politischem Druck ausgesetzt; so laufen beispielsweise derzeit gegen mehrere Medienunternehmen Gerichtsverfahren in den USA.
All diese Faktoren haben China zu einem festen Platz in den Redaktionen des Kontinents verholfen. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich immer mehr afrikanische Journalist*innen chinesischen Medienunternehmen angeschlossen, sind nach China gereist und haben für chinesische Publikationen geschrieben.
Auch aus anderen Gründen ist dieser Trend kaum überraschend. Von westlichen Gebern finanzierte Medienförderungsanstalten sind in die Kritik geraten, weil sie Medienexpert*innen auf den Kontinent holen, um afrikanische Journalist*innen in westlichem Journalismus zu schulen. „Manche dieser Leute verstehen nicht einmal den Kontext, und das ist für mich ein Problem, denn man kann nicht einfach hierherkommen und eine Diagnose stellen, von der man keine Ahnung hat“, sagt Mare.
Schließlich müssen afrikanische Medienschaffende, die im Rahmen eines Stipendiums oder Austauschprogramms in den Westen reisen möchten, strenge Visabestimmungen erfüllen, zu denen in manchen Fällen auch die Angabe ihres Einkommens gehört. Da Journalist*innen auf dem Kontinent schlecht bezahlt werden, dürften nur sehr wenige die finanziellen Kriterien erfüllen, die für die Erteilung eines Visums für den Westen erforderlich sind. Ein Visum für China im Rahmen der geförderten Stipendien zu erhalten, ist hingegen, so Mare, wesentlich einfacher.
Quellen
Umejei, E., 2026: China in African media: between influence operations and decolonization. Bloomsbury Publishing.
Africa Check, 2026: Soft power and hard (newsroom) choices: Mapping Kenya-China media ties and risks to information resilience.
Alphonce Shiundu ist ein kenianischer Journalist, Redakteur und Faktenchecker.
shiunduonline@gmail.com