Entwicklung und
Zusammenarbeit

Start-ups

Weshalb wir andere Gründungsgeschichten erzählen müssen

Junge, innovative Unternehmen bewegen nicht nur die Wirtschaftswelt – sie lösen soziale Probleme und springen ein, wo der Staat versagt. Von den meisten erfahren wir kaum etwas. Zeit, das zu ändern.
Fanuel Leul

An welche Geschichte denken Sie, wenn Sie an ein erfolgreiches Start-up denken – ein (männlicher) Gründer, der in einem Studentenwohnheim oder einer Garage an einer bahnbrechenden Technologie tüftelt und später als CEO eines milliardenschweren, börsennotierten Konzerns die Welt beeinflusst? Ungefähr so jedenfalls klingen die Gründungserzählungen der Silicon-Valley-Größen wie Facebook, Google, Apple, Amazon oder Microsoft – und sie prägen, was wir uns unter Innovation und Erfolg vorstellen.

Dabei ist ihr gesellschaftlicher Erfolg oft zumindest zweifelhaft: Man denke nur daran, welche fatalen Auswirkungen etwa die Algorithmen von Meta und X auf die Informationswelt haben. Einige der kapitalstärksten Unternehmen der Welt sind zugleich ein Beleg dafür, dass Wachstum kein Wert an sich ist. Die meisten Start-up-Geschichten hingegen verlaufen ohne Milliardenbewertung und Börsengang. 

Erfolg misst sich nicht nur am Profit

Vor etwa zehn Jahren war der Begriff „Impact-Start-up“ hoch im Kurs. Weltweit etablierten sich sogenannte Impact- und Start-up-Hubs, um Unternehmen zu unterstützen, die mit ihrem Geschäftsmodell nicht nur Gewinn machen, sondern Probleme lösen wollten. Die Investitionen stiegen. 

In Ländern des Globalen Südens füllen solche Impact-Start-ups nach wie vor häufig echte Versorgungslücken. In Ruanda, Ghana und Nigeria liefern Drohnen lebenswichtige Medikamente in abgelegene Regionen. In Indien haben Unternehmen Millionen Solargeräte in die Haushalte und E-Scooter auf die Straßen gebracht. Medizinische Diagnosen werden vielerorts per Telemedizin gestellt, Landwirtschaft mit KI geplant, Zahlungen und Lieferdienste über Apps organisiert. Unzählige Unternehmen weltweit bieten Produkte oder Dienstleistungen an, die Menschen Zugang zu Services ermöglichen, die sie sonst nicht hätten.

Das Kapital fließt in andere Bereiche

Dennoch scheint die Begeisterung für Impact-Start-ups in der Finanzwelt zu sinken. Laut Schätzungen des aktuellen „State of Impact“-Reports schrumpften die globalen Venture-­Capital-Investitionen in Impact-Start-ups 2025 um rund ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr und lagen damit auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Im selben Jahr stieg das weltweit investierte Risikokapital um mehr als 25 %, Investitionen in Verteidigung verdoppelten sich. Hinzu kommt: Drei Viertel des im Report erfassten Risikokapitals für Impact-Start-ups fließen nach Nordamerika und Europa, ein kleiner Teil nach Asien und nur etwa drei Prozent entfallen auf den gesamten Rest der Welt. Wer in Afrika oder Lateinamerika eine gute Idee hat, muss die Umsetzung höchstwahrscheinlich anders finanzieren.

Dabei sind es genau diese Unternehmen vor Ort, die die Wirtschaft in die richtige Richtung lenken können. Gerade jetzt, da öffentliche Haushalte weltweit unter Druck stehen und internationale Fördergelder drastisch gekürzt werden, braucht es Unternehmen mit Verantwortung, um etwas zu verändern. In dieser Ausgabe lesen Sie, wie Imma Guixe aus Äthiopien zu Hause an einer Nähmaschine wiederverwertbare Menstruationshygieneprodukte entwickelte und wie sich Romita Ghosh in Indien nach einer gesundheitlichen Krise in die medizinische Forschung stürzte. Auch sie hatten eine einzigartige Idee und sind Risiken eingegangen, um ihre Vision umzusetzen. Sie sind die wirklichen Vorbilder – doch von ihren Geschichten hören wir viel zu wenig.

Eva-Maria Verfürth ist Chefredakteurin von E+Z.
euz.editor@dandc.eu 

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