Entwicklung und
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Kindergesundheit

In Pakistan werden manche Krankenhäuser selbst zum Infektionsrisiko

Unsichere Injektionen und mangelnde Hygiene führen in Pakistan zu neuen HIV-Infektionen. Besonders betroffen sind Kinder. Vermeidbare Versäumnisse erschüttern das Vertrauen in das Gesundheitssystem.
Bluttest bei einem Kind im Zusammenhang mit dem schweren HIV-Ausbruch in Ratodero, Pakistan, 2019. picture alliance/AP Photo / Fareed Khan
Bluttest bei einem Kind im Zusammenhang mit dem schweren HIV-Ausbruch in Ratodero, Pakistan, 2019.

Auf einem kleinen Friedhof in Taunsa, einer Stadt in der pakistanischen Provinz Punjab, kniet die zehnjährige Asma am frischen Grab ihres jüngeren Bruders Mohammed Hamza. Er war neun Jahre alt, als er starb.

In den letzten Wochen seines Lebens wurde das Fieber unerträglich. Seine Mutter erzählt, dass er sie angefleht habe, draußen im Regen schlafen zu dürfen, weil das Fieber sich anfühle, als würde sein Körper „von innen brennen“. Manchmal verkrampften seine Gliedmaßen vor Schmerzen so heftig, dass sie glaubte, er würde in ihren Armen zerbrechen.

Später teilten Mediziner*innen der Familie mit, dass Mohammed Hamza HIV-positiv war. Wenige Monate nach seinem Tod wurde auch Asma positiv getestet. Doch keines der beiden Kinder kam mit dem Virus zur Welt. Die Familie geht davon aus, dass sich beide während einer gewöhnlichen medizinischen Behandlung in einem staatlichen Krankenhaus in Taunsa mit HIV infizierten. Dort wurden in jüngster Zeit immer mehr Kinder positiv getestet, während zugleich der Verdacht auf weitreichende medizinische Versäumnisse wächst.

Nach Schätzungen von UNAIDS leben in Pakistan rund 350.000 Menschen mit HIV, fast 80 % von ihnen wissen jedoch nichts von ihrer Infektion. Gesundheitsexpert*innen warnen inzwischen, dass unsichere medizinische Praktiken immer mehr Familien, die bisher nicht infiziert sind, dem Risiko einer Ansteckung aussetzen. Kontaminierte Spritzen, unsichere Bluttransfusionen, Kliniken ohne strenge Hygienevorschriften, mangelhafte Infektionskontrolle und die wiederholte Verwendung von medizinischer Ausrüstung gehören nach Angaben von Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens zu den wichtigsten Ursachen.

Pakistan hat bereits einen der größten HIV-Ausbrüche unter Kindern in Südasien überhaupt erlebt. Im Jahr 2019 wurden in Ratodero in der Provinz Sindh mehr als 1300 Menschen positiv auf HIV getestet, die meisten von ihnen Kinder. Untersuchungen führten den Ausbruch ebenfalls auf unsichere Injektionspraktiken und mangelhafte medizinische Aufsicht zurück. Auch heute, Jahre später, bestehen nach Einschätzung von Gesundheitsexpert*innen viele dieser Probleme weiterhin.

Kinder sind besonders betroffen

Laut der Gesundheitsexpertin Hamna Aslam aus Punjab, die auf Infektionskrankheiten spezialisiert ist, sind Kinder besonders gefährdet, weil sie für ihren Schutz vollständig auf Erwachsene und das Gesundheitssystem angewiesen sind. „Wenn die Infektionskontrolle versagt, trifft es Kinder zuerst“, erklärt sie. „Vielen Familien ist nicht einmal klar, dass wiederverwendete Spritzen, unsichere Infusionen oder nicht getestetes Blut Kinder Krankheiten wie HIV aussetzen können, mit denen sie dann leben müssen.“

In ärmeren Bevölkerungsgruppen sind viele Menschen auf überfüllte öffentliche Krankenhäuser oder günstige Privatkliniken angewiesen, in denen es häufig an ausreichender Kontrolle fehlt. Familien hinterfragen nur selten, ob eine Spritze tatsächlich neu ist oder das verwendete Blut ordnungsgemäß getestet wurde. Viele vertrauen schlicht auf ein Gesundheitssystem, das sie eigentlich schützen soll.

Ein Mural an einer Wand der Punjab University in Lahore, Pakistan, versinnbildlicht die Bürde der Armen, die den Lebensstil der Elite schultern.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gehört Pakistan zu den Ländern mit den weltweit höchsten Injektionsraten. Täglich werden Millionen Spritzen verabreicht, viele davon sind medizinisch gar nicht notwendig. Beschäftigte im Gesundheitswesen berichten weiterhin davon, dass Spritzen wiederverwendet werden, obwohl die Regierung wiederholt dagegen vorgegangen ist.

HIV führt zu Ausgrenzung

Aus Angst vor Stigmatisierung verschweigen Eltern die HIV-Diagnose ihrer Kinder häufig gegenüber Nachbar*innen, auch weil Kinder deshalb oftmals in der Schule schikaniert werden. Auch betroffene Frauen werden verlassen, nachdem sie positiv getestet wurden, obwohl sie selbst nicht wissen, wie sie sich angesteckt haben.

Asmas Mutter sagt, sie lasse ihre Tochter inzwischen nicht mehr draußen spielen, weil die Nachbar*innen über ihre Krankheit redeten. „Sie ist doch nur ein Kind“, sagt sie leise. „Was hat sie falsch gemacht?“

Langsam wächst auch in ländlichen und einkommensschwachen Regionen das Bewusstsein dafür, dass Krankenhäuser Orte sein können, an denen sich gefährliche Krankheitserreger verbreiten. Für Asma und ihre Familie kommen diese Warnungen jedoch zu spät. Ein Kind haben sie bereits begraben. Das andere muss nun mit einem Virus aufwachsen, mit dem es sich nach Überzeugung der Familie ausgerechnet an dem Ort angesteckt hat, an dem es eigentlich behandelt werden sollte.

Aqsa Younas ist internationale Journalistin und Sozialaktivistin mit Sitz in Pakistan. 
aqsayounas666@gmail.com

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