Entwicklung und
Zusammenarbeit

Unsere Sicht

Im Kampf gegen Drogen macht kluge Entwicklungspolitik den Unterschied

Immer mehr Menschen weltweit konsumieren Drogen, und immer mehr sterben daran. Das Problem lässt sich allein mit sicherheitspolitischen Mitteln nicht lösen. Nötig sind vielmehr größere Investitionen in entwicklungspolitische Ansätze.
Die Zahl der Drogenkonsumenten ist dramatisch gestiegen. D+C, AI generated
Die Zahl der Drogenkonsumenten ist dramatisch gestiegen.

Ein Schnellboot pflügt durch das Wasser, gefilmt von oben in schwarz-weiß. Plötzlich blitzt es hell, danach ist nur noch grauer Rauch zu sehen. Das Video des US-Militärs vom September soll die Zerstörung eines Boots zeigen, mit dem angeblich in der Karibik Drogen geschmuggelt wurden. Vier Menschen sollen getötet worden sein. Dass Menschenrechtsorganisationen solche Aktionen als außergerichtliche Tötungen kritisieren, lässt die Trump-Regierung kalt. Sie will medienwirksam zeigen: Wir tun etwas.

Dass etwas getan werden muss, steht außer Frage. Die Zahl der Drogenkonsument*innen weltweit stieg zuletzt deutlich: binnen zehn Jahren um gut ein Drittel auf 331 Millionen, wie das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung berichtet. Immer mehr Menschen sterben durch Drogen, derzeit knapp 500.000 pro Jahr. Die verlorenen gesunden Lebensjahre, die mit Drogen einhergehende Gewalt und Kriminalität, die Kosten für die Gesellschaft – es gibt mehr als genug Gründe, um stärker in den Kampf gegen Drogen zu investieren. Ein Teil dieser Aufgabe ist zweifellos die konsequente strafrechtliche Verfolgung, aber bitte unter Achtung geltenden Rechts.

Gerade wenn einflussreiche Länder wie die USA ihre Drogenpolitik der harten Hand zur Schau stellen, ist es wichtig, daran zu erinnern: Allein mit sicherheitspolitischen Maßnahmen ist der Kampf gegen Drogen nicht zu gewinnen. Die Kartelle passen sich an, sie kommunizieren verschlüsselt und transportieren ihre Ware teils mit Drohnen. Sie erschließen neue Routen und nutzen gezielt politisch instabile Regionen, um ihren Einfluss auszuweiten. So haben etwa die internen Konflikte in Myanmar die dortige Drogenproduktion begünstigt. Myanmar ist weltgrößter Produzent von illegalem Opium und Hauptquelle für Methamphetamin in Asien.

Zugleich ist klar: Wer Koka-Plantagen in Kolumbien, Peru oder Bolivien ohne einen Gedanken an die lokale Bevölkerung zerstört, verschiebt das Problem nur. Die Plantagen tauchen dann anderswo auf, während die früheren Produzent*innen nicht wissen, wie sie jetzt ihre Familie ernähren sollen.

Legale Perspektiven aufzeigen

Im Kampf gegen Drogen sollten deshalb entwicklungspolitische Ansätze stärker in den Fokus rücken. Ein wichtiger Baustein: den Menschen, die mit dem Anbau pflanzlicher Drogen ihren Lebensunterhalt verdienen, legale Erwerbsmöglichkeiten zu bieten, ganz im Sinne des Konzepts der „Alternativen Entwicklung“. Dies wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit schon lange gefördert und fand bereits 2012 in der Lima Declaration on Alternative Development internationale Anerkennung.

Ähnliches gilt für die Seite der Nachfrage. Wer Drogen konsumiert, tut dies oft aus Verzweiflung und einem Mangel an Perspektiven. Insofern wirken entwicklungspolitische Maßnahmen zur Armutsbekämpfung oder Senkung der Jugendarbeitslosigkeit auch im Sinne einer weitsichtigen Politik gegen Drogen.

Angehörige der zivilgesellschaftlichen Organisation „Grupo Marte“ auf Patrouille in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana.

Zivilgesellschaftliches Engagement

Mexiko und der Drogenrausch

Zugleich gilt es, Abhängige zuallererst als Menschen zu sehen, die angemessene medizinische und psychologische Betreuung verdienen. Viele zivilgesellschaftliche Akteure engagieren sich hier seit Langem, sie verdienen bessere Finanzierung. Allzu oft erhalten suchtkranke Menschen aber überhaupt keine Betreuung: Selbst im reichen Europa befindet sich nur knapp ein Viertel von ihnen in Behandlung. In Afrika sind es deutlich unter fünf Prozent.

International gegen Kartelle zu kooperieren, allen am Drogengeschäft Beteiligten bessere Möglichkeiten aufzuzeigen und suchtkranken Menschen passende Hilfsangebote zu machen, mag kurzfristig weniger Aufmerksamkeit erregen als die Explosion eines Bootes. Nachhaltiger ist es aber allemal.

Jörg Döbereiner ist Chef vom Dienst bei E+Z.
euz.editor@dandc.eu

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