Entwicklung und
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Drogenhandel

Wie eine Drogenlobby beinahe eine Grenze wieder geöffnet hätte

Der Export von Khat bringt Kenia jährlich rund 100 Millionen Dollar ein. Landwirt*innen und Händler*innen hoffen, dass ihr wirtschaftlicher und politischer Einfluss dazu führen wird, die seit Langem geschlossene Grenze zu Somalia endlich wieder dauerhaft zu öffnen.
Ein Khat-Verkäufer in Somalia, Kenias größtem Exportmarkt für die Pflanze. picture alliance / robertharding / Michael Runkel
Ein Khat-Verkäufer in Somalia, Kenias größtem Exportmarkt für die Pflanze.

Seit 15 Jahren ist die Grenze zwischen Kenia und Somalia geschlossen – eine Grenze, die so instabil ist, dass zwei zuvor geplante Wiedereröffnungsversuche bereits scheiterten, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Kenia hatte die Grenze im Oktober 2011 nach einer Reihe von Anschlägen der Terrororganisation Al-Shabaab und dem militärischen Eingreifen Kenias in Somalia geschlossen.

Dann hätte die Öffnung der Grenze beinahe funktioniert – dank eines Faktors, den nur wenige Sicherheitsanalysen vorausgesehen hatten: einer Lobby, die sich rund um den Anbau einer Drogenpflanze gebildet hat und die hinter den Kulissen daran arbeitete, politische Entscheidungsträger*innen und Regierungsbehörden so lange zu beeinflussen, bis der Staat nachgab.

Khat (Catha edulis) ist vor Ort als „Miraa“ bekannt. Es handelt sich um einen blättrigen Strauch, dessen Blätter als Stimulans gekaut werden. Nach kenianischem Recht werden seine Wirkstoffe, Cathinon und Cathin, theoretisch als psychotrope Substanzen eingestuft. Die Nationale Behörde für die Kampagne gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch (National Authority for the Campaign Against Alcohol and Drug Abuse – NACADA) stuft die Pflanze als potenziell schädliche Droge ein. Nach dem Pflanzenanbaugesetz von 2013 ist Miraa jedoch auch eine gesetzlich regulierte Kulturpflanze, was bedeutet, dass sie innerhalb eines geregelten Rahmens angebaut werden darf.

Miraa stützt eine Wertschöpfungskette, die Landwirt*innen, Erntehelfer*innen, Zwischenhändler*innen, Transportunternehmen und Exporteure umfasst. Nach Angaben der kenianischen Behörde für Landwirtschaft und Ernährung erwirtschaftet Miraa jährlich etwa 100 Millionen Dollar. Die Erzeuger*innen und ihre Lobby verweisen auf diese wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. In der Praxis hat dieses Argument den Ruf von Miraa als Rauschmittel weitgehend in den Hintergrund gedrängt.

Lufttransport von Khat

Aufgrund der Grenzschließung müssen Exporteure ihre Lieferungen nach Somalia, Kenias größtem Exportmarkt für Khat, per Luftfracht befördern. Dies treibt die Preise in die Höhe und macht die Landwirt*innen von Kartellen abhängig, die Provisionen verlangen. Die Nyambene Miraa ­Farmers and Traders Association (Nyamita) reichte beim Innenministerium eine Petition ein, um die Wiederaufnahme der Exporte auf dem Landweg sicherzustellen. Ihr Vorsitzender ­Kimathi Munjuri sagt, dass die Kampagne an mehreren Fronten geführt werde. „Wir haben offizielle Verhandlungen zwischen Kenia und Somalia geführt“, erklärt er. „Außerdem haben wir Briefe verfasst und von unseren Politiker*innen politische Zusagen gefordert. Dabei haben wir darauf bestanden, dass eine der Bedingungen für unsere Unterstützung darin besteht, dass sie uns dabei helfen, auf die bedingungslose Wiederöffnung der Grenze zu drängen.“

Am 6. Februar teilte Raymond Omollo, Staatssekretär im Innenministerium, den Händler*innen mit, dass der Ausschuss des Nationalen Sicherheitsrates die Wiedereröffnung der Grenzübergänge in der Nähe der Orte Mandera, Liboi und Kiunga für den Straßentransport von Miraa genehmigt habe. Im selben Monat versprach Präsident William Ruto in Mandera, die Grenze im April wieder zu öffnen. In dem Schreiben des Ministeriums wird Nyamitas Petition als Auslöser genannt.

Dies verdeutlicht den Einfluss der Lobby. Präsidentschaftskandidat*innen reisen in den Bezirk Meru, um Stimmen zu sichern – dort ist Khat die treibende Kraft hinter einer regionalen Wirtschaft, deren Zentrum an den Hängen des Mount Kenya liegt. Tausende von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind hier auf Khat als Haupteinkommensquelle angewiesen. Einige Politiker*innen kauen die Blätter während des Wahlkampfs demonstrativ.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Lobby über genügend Einfluss verfügt, um die Grenze tatsächlich dauerhaft zu öffnen – im Mai machte Präsident Ruto einen Rückzieher und verschob die Öffnung aufgrund erneuter Eskalationen vor Ort. Die Wiederöffnung ist zudem der erste echte Test für Somalias Mitgliedschaft in der East African Community, der das Land im März 2024 beigetreten ist.

Die Grenze selbst erstreckt sich über 680 Kilometer. Sie trennt Gemeinden, die durch kulturelle Bindungen miteinander verbunden sind, und war schon immer von großer Bedeutung für Viehtriebe und den informellen Handel. Der Gouverneur der Grenzregion Mandera, Mohamed Khalif, bezeichnete sie als „wirtschaftliche Lebensader für diesen Landkreis“.

Joseph Maina ist ein freier Autor aus Naivasha, Kenia.
mainajoseph166@gmail.com 

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