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Entwicklungsfinanzierung

Wie IDA reformiert werden muss

Seit den 1990er-Jahren hat die Weltbank weltweit einen dramatischen Rückgang der extremen Armut ermöglicht. Dahinter verbirgt sich eine gefährliche Diskrepanz zwischen stabilen und fragilen Staaten. Die Verhandlungen über die Finanzierung der Weltbank-Tochter IDA sind eine Gelegenheit, diese Lücke zu schließen.
In Konfliktregionen wächst extreme Armut: Flüchtlingslager in der DR Kongo. picture-alliance/Xinhua News Agency/Zanem Nety Zaidi In Konfliktregionen wächst extreme Armut: Flüchtlingslager in der DR Kongo.

Im Jahr 1990 lebte mehr als einer von drei Menschen in Armut, im Jahr 2019 waren es weniger als einer von zehn. Gerade in konfliktbetroffenen und am wenigsten entwickelten Ländern ist die Zahl der Menschen in extremer Armut aber in diesem Zeitraum um 82 Prozent gestiegen.

Bis 2030 will die internationale Gemeinschaft die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung erreichen. Die Weltbank geht davon aus, dass bis dahin rund 60 Prozent aller von extremer Armut betroffenen Menschen in konfliktbetroffenen Ländern mit fragiler Staatlichkeit leben werden.

Der entwicklungsökonomische Ansatz verringert erfolgreich extreme Armut in stabilen Staaten, versagt aber in Ländern mit fragiler Staatlichkeit. Verschiedene Versuche, den Nexus aus humanitärer Hilfe, Entwicklung und Frieden zu definieren und zu operationalisieren, haben das Leben der Menschen dort bisher nicht verbessert.

Für Krisengegenden, wo humanitäre Hilfe der erste Schritt zu nachhaltiger Entwicklung ist, ist die politische Agenda der Weltbank nicht weit genug fortgeschritten. Die neue „Evolution Roadmap“ der Weltbank legt den Fokus neben anderen globalen Herausforderungen nun auf Fragilität, Konflikte, Gewalt und Klimawandel. Das gilt als Voraussetzung, um Armut so zu beseitigen, dass die Welt für alle lebenswert bleibt.

Dies erfordert auch ein neues Modell für die Finanzierung der Weltbank und ihr Engagement in fragilen Staaten. Ein Teil der Mittel fließt über die auf Unterstützung  geringst-entwickelter Länder spezialisierte IDA (International Development Association). 

Um konfliktbetroffene Gemeinschaften zu erreichen, ist Flexibilität nötig.  Dort, wo nationale Regierungen keine Kontrolle oder Kapazitäten haben, ist die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen (NGOs) und lokalen Akteuren entscheidend. In stark dezentralisierten Regierungsstrukturen sind lokale Behörden für Dinge wie medizinische Grundversorgung, Bildung oder Wasserversorgung zuständig. Also müssen sie erstens in die Lage versetzt werden, im Krisenfall die Bevölkerung direkt zu unterstützen. Zweitens muss die lokale Zivilgesellschaft diese Maßnahmen für eine gute Regierungsführung mittragen.

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit des International Rescue Committee (IRC) mit der Gavi Vaccine Alliance und lokalen Organisationen in Ostafrika. Im Rahmen dieser Partnerschaft wurden mehr als eine Million Dosen lebensrettender Impfstoffe an Kinder verabreicht, die zuvor nicht erreicht wurden. Vor dem Start des Programms waren nur 16 Prozent dieser Gruppe zugänglich, zuletzt waren es 77 Prozent.

Angesichts der großen Rolle von IDA bei der Bereitstellung von Mitteln für krisenbetroffene Länder bieten die diesjährigen Auffüllungsverhandlungen die Gelegenheit, neue, kontext-gerechte Mechanismen zu testen. Die Bundesregierung unterstützt die Weltbank und IDA maßgeblich, sie ist treibende Kraft hinter der Weltbankreform­agenda und sollte daher ein Vorbild sein, wie Geberregierungen IDA am besten unterstützen. Drei Optionen sind: 

  • Die Geber sollten Beiträge zusagen, die über den Betrag des 20. Wiederauffüllungszyklus (IDA20) von 23,5 Milliarden Dollar hinausgehen. Dann ist IDA auf dem richtigen Weg, um sich bis 2030 zu verdreifachen.
  • Weltbank und Geberregierungen sollten die IDA-Vergabemechanismen verfeinern, um Herausforderungen in den jeweiligen Ländern effizienter zu berücksichtigen.
  • Die Weltbank sollte die Auszahlung von IDA durch mehr Partnerschaften mit NGOs verbessern. Dabei sollte sie in einem ersten Schritt mit der Pilotierung von Partnerschaften in konfliktbetroffenen Ländern beginnen, um eine Evidenzbasis für diesen Ansatz zu schaffen.

Um ihre Wirksamkeit zu maximieren, müssen die Weltbankmechanismen angepasst werden. So dürfen Darlehen nicht mehr ohne Berücksichtigung der langfristigen Folgen der Schuldenlast für die Empfängerländer gewährt werden. Vorrang sollte die Unterstützung in Form von Zuschüssen mit positiver Wirkung haben.

Wale Osofisan ist Senior Director für Regierungsführung bei International Rescue Committee (IRC).
presse@rescue.org