Gendergerechtigkeit

Was Mädchen von der Schule fernhält

In den vergangenen 20 Jahren hat Uganda viel dafür getan, Bildung allgemein zugänglich zu machen. Das Land betreibt eine Initiative für kostenlose Grund- und Sekundarschulen, die auch zusätzliche allgemeine Bildungskosten senken soll – leider nicht sehr erfolgreich. Bildung bleibt weiterhin oft ein Privileg für jene, die sie sich leisten können.
Schülerinnen in Ugandas Hauptstadt Kampala. picture-alliance/Xinhua News Agency/Nicholas Kajoba Schülerinnen in Ugandas Hauptstadt Kampala.

Mädchen sind meist besonders benachteiligt. Viele der diversen traditionellen Kulturen in Uganda sahen Mädchen lediglich als künftige Bräute und reduzierten sie auf Hausarbeit. Seit Jahren bemüht man sich zwar, Genderdiskriminierung zu beseitigen, aber es geht nur langsam voran. Ein Problem ist, dass Hygieneartikel wie Damenbinden nicht erhältlich sind. Dies hindert besonders Mädchen aus armen Familien am regelmäßigen Schulbesuch.

Auch frühe Schwangerschaft spielt eine Rolle. Laut ugandischem Gesundheitsministerium wird etwa ein Viertel der jungen Frauen vor dem 20. Geburtstag schwanger. Covid-19 hat die Lage verschlimmert. Eine Studie des Forums für afrikanische Erziehungswissenschaftlerinnen (FAWE), einer zivilgesellschaftlichen Organisation, ergab: Während des ersten Lockdowns in Uganda zwischen März und Juni 2020 nahmen Schwangerschaften bei Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren um mehr als 25 Prozent zu; bei 10- bis 14-jährigen haben sie sich sogar mehr als verdreifacht.

Hohe Armutsquoten

Armut ist eine Hauptursache für den ungleichen Zugang von Mädchen zu Bildung. Zwar ist Grund- und Sekundarschulbildung grundsätzlich kostenlos, doch finden viele unterfinanzierte öffentliche Schulen Wege, zusätzliche Gebühren zu erheben, etwa für Mahlzeiten oder besondere Schulveranstaltungen. Zudem müssen Schüler*innen Kosten für Materialien wie Bücher und Stifte sowie für Schuluniformen tragen.

Arme Familien bevorzugen traditionell Jungen, wenn es um Bildung geht. Mädchen sollen die Hausarbeit erledigen und sich auf die Ehe vorbereiten. Die Finanzierungsplattform Global Partnership for Education (Globale Partnerschaft für Bildung) berichtet, dass traditionell vor allem auf dem Land Mädchen gegen eine Geldzahlung an ihre Familie verheiratet werden können. Dieser „Brautpreis“ ist für Familien ein Anreiz, Frauen und Mädchen auf marktfähige Ware zu reduzieren.

Neben dem etablierten formalen Bildungssystem gibt es die Möglichkeit, über eine Berufsausbildung praktische Fähigkeiten zu erwerben (siehe Haupttext) – meist in einem bestimmten Beruf. In Uganda wurde 2019 eine Strategie für technische und berufliche Bildung und Ausbildung (TVET) entwickelt. Die ugandische Bevölkerung soll berufliche Kompetenzen erlangen und so auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, um die Qualifikationsprobleme des Landes zu lösen.

Mit der Betonung beruflicher Bildung will man erreichen, dass mehr Jobs geschaffen als gesucht werden. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization – ILO) sind 19,8 Prozent der jungen Menschen in Uganda weder beschäftigt noch in Ausbildung.

Link
Forschungsergebnisse des Forums für afrikanische Erziehungswissenschaftlerinnen (FAWE), Uganda Chapter, 2021:
https://faweuganda.org/wp-content/uploads/2022/02/COVID-19-Impact-Study-on-Girls-and-Women-Report-2020.pdf

Ronald Ssegujja Ssekandi lebt in Uganda und ist Redakteur der E+Z/D+C-Kolumne „Heutzutage“.
sekandiron@gmail.com

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