Entwicklung und
Zusammenarbeit

Künstliche Intelligenz

Die Zukunft gestalten immer noch Menschen

Die Menschheit ist auf dem Weg in eine neue Realität: Die Frage ist nicht mehr, ob Künstliche Intelligenz unser Leben verändert, sondern wie – und wer dabei das Sagen hat.
KI kann Partizipation stärken, aber auch Manipulation ermöglichen und Demokratien gefährden. E+Z, KI-generiert
KI kann Partizipation stärken, aber auch Manipulation ermöglichen und Demokratien gefährden.

Zwei Nachrichten zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) haben mich in der letzten Zeit besonders nachdenklich gemacht. Da ist zunächst die Informationslage zum Krieg im Nahen Osten. Jeder Krieg ist auch ein Kampf um Bilder, und dieser ist wie nie zuvor von KI geprägt. Alle Kriegsparteien fluten das Netz mit gefälschten Videos. Das iranische Regime verbreitete selbst von realen Ereignissen KI-generierte Bilder. Auf Social Media sind synthetische Kriegsvideos so profitabel geworden, dass selbst X nun auf Kennzeichnung besteht. Während echte Stimmen aus Iran kaum durchdringen, ertrinken wir in Fakes. Wem soll man noch glauben, wenn die Wahrheit in den Informationsfluten abtaucht?

Die andere Nachricht war, dass das Unternehmen Anthropic (Entwickler der Claude-KI) Anfang März 2026 von der Trump-Regierung als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft wurde. Der Grund: Anthropic weigert sich, seine KI für Massenüberwachung und vollautonome Waffen bereitzustellen. Hat noch jemand Fragen dazu, was Washington mit KI vorhat? Ein Unternehmen, das auch nur minimale ethische Grenzen zieht, ist jedenfalls offensichtlich nicht erwünscht. 

KI könnte so viel für die Menschheit erreichen

Beide Beispiele zeigen, was für ein mächtiges Instrument KI ist – und wie entscheidend die Frage ist, wer sie steuert. Denn es steht außer Frage, dass KI für die Menschen viel Gutes bewirken könnte. Auf den Bildschirmen der Welt vollzieht sich längst eine leise, alltägliche Revolution. KI liefert Weiterbildung, Rechtsberatung, Therapie, macht Arbeit effizienter. Sie verbessert Gesundheitsleistungen und optimiert Stromnetze, kann in Krisensituationen helfen und bei der Anpassung an den Klimawandel. KI kann Inklusion schaffen – über Sprache, Verfügbarkeit und Zugänglichkeit.

Viele Initiativen zeigen, dass sich KI entwickeln lässt, die Ressourcen schont und Entwicklung voranbringt. In den falschen Händen aber kann sie Demokratien zerstören und grenzenlose Manipulation ermöglichen. Die Schattenseiten von KI sind schon jetzt massenhafte Datensammlung, Wahrheitsverzerrung, Umweltzerstörung und ein geopolitisches Rennen um Rohstoffe.

Regulierung muss schneller sein

Die verbreitetsten KI-Systeme liegen heute in der Hand einiger weniger Tech-Firmen, deren Geschäftsmodell nicht am Gemeinwohl, sondern an Wachstum und Profit ausgerichtet ist. Sie üben massiv Druck auf die Politik aus. In den USA lobbyierten sie sogar für ein zehnjähriges Verbot staatlicher KI-Gesetze – ein Vorstoß, den der Senat jedoch ablehnte. Es ist höchste Zeit, dass wir aktiv werden: Es braucht Datensicherheit, Souveränität und ethische Grenzen.

Vorangehen können dabei die Staaten mit wirtschaftlichem und politischem Gewicht. Die EU hat ihren AI Act beschlossen – jetzt ist politischer Mut gefragt, diesen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Bei Social Media waren wir viel zu langsam. Dennoch zeigt sich hier gerade, dass viel mehr Steuerung möglich wäre: US-Gerichte haben Meta und YouTube jüngst wegen süchtig machender Algorithmen haftbar gemacht, X wurde in der EU wegen mangelnder Transparenz bestraft. In Brasilien können Social-Media-Betreiber für illegale Inhalte ihrer Nutzer*innen haftbar gemacht werden. Und als X sich nicht an die Vorgaben der Gerichte hielt, Desinformation verbreitende Accounts zu sperren, wurde das Netzwerk kurzerhand abgeschaltet – bis Elon Musk der Forderung nachkam und auch die fällige Strafe zahlte. Bei KI müssen wir es besser machen und vor allem schneller sein – und auf Technologie setzen, die das Gemeinwohl fördert. KI wird die nächsten Jahre beispiellos prägen, aber es ist immer noch an uns Menschen, über diese Zukunft zu bestimmen.

Eva-Maria Verfürth ist Chefredakteurin von E+Z.
euz.editor@dandc.eu 

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