KI-Tools
Vier KI-Projekte mit positivem Einfluss
Croppie: Den Ertrag der Kaffeeernte zuverlässiger vorhersagen
Viele Kleinbäuerinnen und -bauern im Kaffeeanbau stehen vor der Schwierigkeit, ihre Erträge bereits vor der Ernte möglichst präzise zu schätzen, um auf Schwankungen reagieren zu können. Üblicherweise tun sie dies manuell, was allerdings zeitaufwendig und fehlerträchtig ist.
Hier kommt „Croppie“ ins Spiel. Das KI-Tool unterstützt Bäuerinnen und Bauern bei der Schätzung ihrer Erträge und gibt ihnen damit mehr Planungssicherheit. Es funktioniert so: Die Bäuerinnen und Bauern laden Fotos ihrer Kaffeepflanzen in die Croppie-App hoch. Die KI erkennt die Kaffeekirschen an der Pflanze, zählt sie und leitet daraus eine Vorhersage für die Ernte ab. Basierend auf den Prognosen gibt die App außerdem Empfehlungen zum Anbau.
Trainiert wurde die KI zunächst mit Datensätzen von mehreren Tausend Bäuerinnen und Bauern aus Kolumbien und Peru. Inzwischen wurde das Projekt auf Uganda ausgeweitet, und die Daten und das Modell stehen open source für weitere Nutzung zur Verfügung. Hinter „Croppie“ stehen Producers Direct, eine NGO von und für Kleinbäuerinnen und -bauern, das Internationale Zentrum für tropische Landwirtschaft (CIAT), die Forschungseinrichtung Bioversity International und die ugandische Firma M-Omulimisa. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch die GIZ-Initiative FAIR Forward – KI für alle unterstützt.
Sunbird AI: Stromversorgung auf dem Land planen
Um die ländlichen Gebiete Ugandas mit Strom zu versorgen, liegt es nahe, auf erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind und Biomasse zu setzen. Allerdings fehlt es den Planungsbehörden oft an relevanten Daten, um die beste Lösung zu finden: Ist es vorteilhafter, das Stromnetz auszubauen, lokale Netze getrennt vom großen Stromnetz zu errichten (Mini-Grids) oder Solarzellen auf Wohnhäusern anzubringen?
Im Distrikt Lamwo im Norden von Uganda können die Behörden seit einiger Zeit ein KI-Tool zu Rate ziehen, entwickelt von der gemeinnützigen KI-Firma Sunbird AI mit Unterstützung des GIZ-Projekts FAIR Forward – KI für alle, das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt wird, und des ugandischen Energieministeriums. Das Tool analysiert verschiedene Datensätze, darunter den Open-Buildings-Datensatz von Google, und identifiziert unter anderem verschiedene Arten von Gebäuden und Umrisse von Siedlungen. Diese Infos nutzt es, um Vorschläge zur optimalen Elektrifizierung zu machen. Die Datensätze und KI-Modelle sind frei verfügbar.
Quizat: Lernen trotz widriger Umstände
Hamza Hourani und Bashar Saaduddin Al Jbawi entwickelten die syrische Bildungs-App Quizat, um Schüler*innen spielerisch Lerninhalte zu vermitteln und Eltern teuren Nachhilfeunterricht zu ersparen. Bereits vor dem Sturz des Ex-Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 trotzten die Gründer der Schikanierung durch das sterbende Regime und ermöglichten Tausenden syrischen Schüler*innen digitales Lernen inmitten zerstörter Bildungsinfrastruktur.
Quizat basiert auf KI-gestützten Lerninhalten und animiert mit prüfungsähnlichen Quiz-Aufgaben zum personalisierten Lernen. Angeboten werden Fächer wie Arabisch, Englisch und Französisch, aber auch Mathematik, Physik, Geschichte, Religion oder Geografie sowie Allgemeinwissen. Die App läuft relativ robust, auch auf älteren Smartphones und bei schlechter Stromversorgung. Das Quizat-Team, in dem auch mehrere Frauen arbeiten, plant nun, das Angebot über die Grenzen Syriens hinaus auszubauen.
Chequeabot: Mit Künstlicher Intelligenz gegen Desinformation
Ein Problem bei Desinformation ist, dass sie immer schneller produziert als widerlegt wird. Es ist eben leichter, sich eine Lüge auszudenken, als sie zu widerlegen. Doch KI kann nicht nur für die massenhafte Verbreitung von Falschnachrichten genutzt werden – sie kann auch dabei helfen, Faktenchecks schneller und effizienter zu machen. Die argentinische Faktencheck-Organisation Chequeado setzt dafür seit rund zehn Jahren einen KI-Bot ein, der kontinuierlich weiterentwickelt wird und heute von Faktencheck-Organisationen und Newsrooms in mehreren Ländern genutzt wird.
Der Chequeabot durchsucht Nachrichten und politische Reden nach überprüfbaren Aussagen und gleicht diese mit bereits existierenden Faktenchecks ab. So erhalten Faktenchecker*innen automatisiert eine Übersicht, welche Informationen sie verifizieren müssen – und zu welchen Aussagen bereits Faktenchecks vorliegen. Zusätzlich kann das Tool Social-Media-Plattformen beobachten und schlägt Alarm, wenn es Desinformation vermutet.
Das E+Z-Redaktionsteam
euz.editor@dandc.eu
Den ersten Teil mit drei weiteren KI-Projekten finden Sie hier.