Entwicklung und
Zusammenarbeit

Kinder in bewaffneten Konflikten

Kindersoldat*innen gehören in Südsudan weiterhin zur Realität

In South Sudan, children continue to be recruited and used in the country’s ongoing conflicts. A UN report details violations of children’s rights by both state and non-state actors and calls on the South Sudanese government to improve its protection efforts.
Ehemalige Kindersoldat*innen stehen in Yambio, Südsudan, Schlange, um sich bei UNICEF registrieren zu lassen und ein Entlassungspaket zu erhalten. picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Sam Mednick
Ehemalige Kindersoldat*innen stehen in Yambio, Südsudan, Schlange, um sich bei UNICEF registrieren zu lassen und ein Entlassungspaket zu erhalten.

Südsudan kämpft seit Jahrzehnten mit anhaltender Gewalt, die die Zivilgesellschaft zu Opfern von Vertreibung, Krankheit und Hunger macht. Viele von ihnen sind Kinder. Viele tragen plötzlich die Verantwortung, ihre Familien zu ernähren, oder sie werden in den Kampf geschickt.

Das „Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“, das am 25. Mai 2000 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde und am 12. Februar 2002 in Kraft trat, soll Kinder davor schützen, rekrutiert und in „Feindseligkeiten“ eingesetzt zu werden. Es verbietet den 173 Mitgliedstaaten, darunter Südsudan, Personen unter 18 Jahren als Soldat*innen zu rekrutieren oder in sonstiger Weise im Rahmen eines bewaffneten Konflikts einzusetzen.

Südsudan ratifizierte das Protokoll am 27. September 2018, kurz nachdem das „Revitalisierte Abkommen über die Beilegung des Konflikts in der Republik Südsudan“ unterzeichnet worden war. Das Abkommen sollte den verheerenden Bürgerkrieg von 2013 bis 2018 beenden.

Trotz dieses Bekenntnisses gefährdet der anhaltende Konflikt zwischen Regierungstruppen und Oppositionsgruppen weiterhin die Rechte von Kindern im ganzen Land. In einem Bericht an den UN-Sicherheitsrat vom 27. Mai 2025 wies UN-Generalsekretär António Guterres darauf hin, dass Kinder nach wie vor einem extrem hohen Risiko ausgesetzt sind, Opfer schwerwiegender Rechtsverletzungen zu werden, sowohl durch staatliche als auch durch nichtstaatliche Akteure.

Der Bericht dokumentiert, dass es im Zeitraum vom 1. Juli 2022 bis 30. Juni 2024 insgesamt 630 Kinderrechtsverletzungen in Südsudan gab, darunter Entführungen zur Rekrutierung, sexualisierte Gewalt währenddessen sowie Tötungen und Verstümmelungen nach den Entführungen.
Weiterhin heißt es in dem Bericht, dass es im Bundesstaat Western Equatoria mit 141 Fällen die meisten solcher Rechtsverletzungen gab; es folgen Upper Nile mit 137 Fällen und Jonglei mit 120 dokumentierten Übergriffen auf Kinder.

Ursachen der Rekrutierung

Jahrzehnte des Bürgerkriegs, aktuelle Konflikte, klimabedingte Schocks und ein drastischer wirtschaftlicher Niedergang tragen dazu bei, dass südsudanesische Kinder anfällig für Ausbeutung sind. UNICEF schätzt in diesem Zusammenhang, dass 65 % der Kinder im schulpflichtigen Alter nicht zur Schule gehen.

Wanga Emmanuel, Vorsitzender des Netzwerks für zivilgesellschaftliche Organisationen in West-Equatoria, ist der Ansicht, dass neben den Konflikten und Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der rechtsstaatlichen Ordnung auch die Unfähigkeit der Regierung, die Problematik mit Straßenkindern anzugehen, ein wichtiger Faktor für Rekrutierung ist. 

Wie Südsudans damalige Ministerin für Gender, Kinder und Soziales, Aya Warille Benjamin, 2024 erklärte, würden einige Kinder gewaltsam entführt – andere schlössen sich jedoch bewaffneten Gruppen an, um der Armut zu entkommen. Der UN-Bericht zeigt, dass Kinder teilweise mit Geldversprechen zur Rekrutierung gedrängt werden. Solana Jeremiah Chuei, Vorsitzender des zivilgesellschaftlichen Netzwerks im Bundesstaat Upper Nile, weist außerdem darauf hin, dass misshandelte Kinder gelegentlich selbst zu Gewalt greifen, um zu überleben.

Kindersoldaten der Revolutionary United Front (RUF) in Sierra Leone.

Zunehmende Sicherheitsprobleme scheinen zudem mit einer Zunahme von Kinderrechtsverletzungen einherzugehen. Es gibt nur wenige Fortschritte bei der Umsetzung des „Revitalisierten Abkommens zur Beilegung des Konflikts“, und die andauernden Konflikte haben zu Kämpfen zwischen bewaffneten Jugendlichen sowie zu den im UN-Bericht dokumentierten Kinderrechtsverletzungen geführt. Von den 630 vom Länderteam verifizierten Fällen werden 45 % nichtstaatlichen Akteuren zugeschrieben und 31 % staatlichen Sicherheitskräften; 24 % blieben ohne eindeutige Zuordnung.

Peter Ngwojo, Informationsminister des Bundesstaates Upper Nile, erklärt, die Regierung verfolge inzwischen eine strikte Politik gegen die Rekrutierung von Kindersoldat*innen und bestreitet, dass weiterhin Kinder in staatlichen Einheiten eingesetzt würden. John Bariona, Minister für Kabinettsangelegenheiten in Western Equatoria, behauptet ebenfalls, seine Landesregierung habe eine klare Strategie zum Schutz von Kindern vor Ausbeutung, räumt jedoch ein, dass Rekrutierungen weiterhin vorkommen, auch wenn er nach eigenen Angaben nicht sagen kann, wer dahintersteht.

Der UN-Bericht stellt zwar fest, dass tatsächlich Fortschritte erzielt wurden. Er betont allerdings auch, dass unter anderem sexuelle Gewalt durch staatliche Kräfte ermöglicht und aufrechterhalten wird, weil die Verantwortlichen häufig nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Generalsekretär Guterres fordert die Regierung auf, Rechenschaftspflicht, Aufsicht und Ausbildung der bewaffneten Kräfte zu stärken, um Kinderrechtsverletzungen in Zukunft zu verhindern. Er ruft zudem alle Parteien des Friedensprozesses dazu auf, das „Revitalisierte Abkommen zur Beilegung des Konflikts“, einschließlich seiner Bestimmungen zum Schutz von Kindern, vollständig umzusetzen.

Erfolge und anhaltende Herausforderungen

Immer wieder haben sich die UN-Friedensmission in Südsudan (UNMISS), UNICEF und nationale Partner gemeinsam dafür eingesetzt, dass Kinder freigelassen werden, die sowohl mit staatlichen als auch mit oppositionellen Kräften in Verbindung standen. Erst im Dezember 2025 wurden 22 Kinder, die bei den South Sudan People’s Defence Forces (SSPDF), den offiziellen Streitkräften des Landes, gedient hatten, den Kinderschutzbehörden in Western Equatoria übergeben. Sie sollen psychosoziale Betreuung erhalten, mit ihren Familien wiedervereint und in berufliche Ausbildungsprogramme aufgenommen werden, um ihnen die Wiedereingliederung in ein ziviles Leben zu erleichtern.

Trotz dieser Erfolge und trotz des erklärten Willens der Regierung, den Einsatz von Kindern in bewaffneten Auseinandersetzungen zu beenden, tauchen weiterhin beunruhigende Berichte auf. Der Aktivist Chuei berichtete von möglichen Rekrutierungsfällen im August 2025 in Malakal, der Hauptstadt des Bundesstaates Upper Nile, sowohl an einem Standort der UNMISS zum Schutz der Zivilbevölkerung als auch innerhalb der Stadt. Jungen seien angeblich wegen begangener Straftaten festgenommen worden, doch die lokale Bevölkerung vermutet, dass Rekrutierung der tatsächliche Grund für ihre Inhaftierung war. Ngwojo, Informationsminister von Upper Nile, berichtete zudem, dass der spirituelle Anführer Makuach Tut, der die Nuer-White-Army-Miliz anführt, Kinder rekrutiert habe, um sie bei einem geplanten Angriff auf Malakal einzusetzen. Ngwojo betont, dass die Regierung keinerlei Kontrolle über die Operationen von Rebellengruppen habe, die in manchen Regionen erheblichen Einfluss ausüben. Die Situation zeigt, dass Kinder vermutlich noch so lange gefährdet bleiben, wie die Feindseligkeiten anhalten.

Chuei fordert die Regierung auf, ausreichende Bildungsangebote bereitzustellen, um zu verhindern, dass Kinder in Gewalt verwickelt werden oder ihr zum Opfer fallen. „Wir als Zivilgesellschaft erheben unsere Stimme dafür, dass Kinder gut behandelt und ihre Menschenrechte geachtet werden“, sagt er.

Auch Generalsekretär Guterres betont, dass es einen besseren Zugang zu Bildung braucht sowie robuste rechtliche Rahmenbedingungen, nachhaltige Friedensbemühungen, eine langfristige und nachhaltige Entwicklung sowie entschlossene Maßnahmen durch die Regierung Südsudans und die internationale Gemeinschaft, um die Ursachen der schweren Vergehen zu bekämpfen, von denen Kinder in Südsudan derzeit betroffen sind.

Mamer Kuot ist ein südsudanesischer Multi­media-Journalist. 
saysabbath@gmail.com  

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