Entwicklung und
Zusammenarbeit

Klimaproblem verharmlost

Birte Pohl:
Internationaler Klimaschutz.
Eine Chance für Entwicklungsländer.
Tectum Verlag, Marburg 2007, 86 S.,
19,90 Euro, ISBN 978-3-8288-9363-4

Der Klimaschutz bietet den Schwellenländern Chancen, erklärt dieses schmale Buch. Birte Pohl begründet das mit der endogenen Wachstumstheorie. Danach sind für anhaltendes Wirtschaftswachstum nicht Sachinvestitionen entscheidend, sondern der technische Fortschritt. In Entwicklungsländern wird Wachstum von der Ausbreitung globalen Wissens aus dem Handel mit Maschinen, der Nachahmung fremder Produkte, Direktinvestitionen und der Ausbildung einheimischer Fachleute vorangetrieben.

Die Klimaschutzpolitik der Industriestaaten erhöhe den globalen Bestand an umweltfreundlicher Technik. Länder wie Indien, Brasilien und China könnten diese übernehmen und tun das laut Pohl auch, um etwa die Luftverschmutzung zu vermindern. So sinke ihr Ausstoß von Treibhausgasen im Verhältnis zur Produktion. Eine absolute Verminderung kann man laut Pohl von diesen Ländern – anders als von Industrieländern – aber nicht erwarten, weil sie Wachstum zur Armutsminderung bräuchten.

Leider verharmlost Pohls Theorie das Klima-Problem. Sie geht vom so genannten schwachen Nachhaltigkeitsbegriff aus, dem zufolge ein Verlust an Naturkapital im Laufe des Wirtschaftswachstums ausgeglichen werden kann durch den Aufbau anderer Kapitalarten wie Sachanlagen und Fachwissen. Das mag genügen, damit in der Theorie das Wachstum anhält. In Wirklichkeit sind aber einige Fähigkeiten der Natur nicht zu ersetzen – zum Beispiel die Fähigkeit, Treibhausgase zu absorbieren.

Das Buch wimmelt von Formeln, in denen Vorgänge wie „Learn­ing by Doing“ mathematisch dargestellt werden, als wären sie quantifizierbar. Manche Schlüsse daraus sind fragwürdig. So erwartet Pohl, dass Klimaschutz-Investitionen aus Industrieländern in Entwicklungsländern unter dem Clean Development Mechanism den Transfer energiesparender Technik fördern. Die bisherige Praxis jedoch erlaubt der Industrie in reichen Ländern vor allem, sich billig ihrer Klimaschutz-Pflicht zu entledigen. Aus Formeln kann man das natürlich nicht ablesen.

Bernd Ludermann

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