Konflikte
Mehr Opfer durch Landminen, weniger humanitäre Hilfe
Mindestens 6279 Menschen wurden 2024 weltweit durch Minen und Blindgänger getötet oder verletzt – der höchste Wert seit 2020, wie der Landmine Monitor 2025 berichtet. Laut dem Report, herausgegeben von der International Campaign to Ban Landmines (ICBL), waren 90 % der Opfer Zivilist*innen und fast die Hälfte Kinder. Besonders alarmierend: Die Zahl der Opfer durch industriell gefertigte Antipersonenminen hat sich laut dem Bericht seit 2020 verdreifacht.
Minen sind in mindestens 57 Staaten ein zentrales Entwicklungshemmnis: Sie machen große Landflächen dauerhaft unbrauchbar, indem sie die Landwirtschaft blockieren und den Bau von Straßen, Schulen oder Stromleitungen verhindern. Dies erschwere die Rückkehr von Millionen Geflüchteten in ihre Heimat, betonen internationale Organisationen wie ICBL und United Nations Mine Action Service (UNMAS).
Rückschritte beim Verbot
Die steigenden Opferzahlen fallen in eine Phase politischer Erosion. Mehrere europäische Staaten – darunter Polen, Estland, Lettland, Litauen und Finnland – sind aus der Ottawa-Konvention ausgetreten. Das Abkommen von 1997 verbietet den Einsatz, die Herstellung und die Weitergabe von Antipersonenminen. Angesichts von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine betrachten die Staaten Minen wieder als militärisch notwendige Abwehrwaffe.
Russland, das die Ottawa-Konvention nicht unterzeichnet hat, setze in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine in großem Umfang Antipersonenminen ein, heißt es im Landmine Monitor. Laut Report gibt es Hinweise darauf, dass auch die Ukraine, obwohl formal an die Konvention gebunden, im Krieg gegen Russland Antipersonen- und Antipanzerminen einsetzt. Der Landmine Monitor warnt, dass durch den wieder zunehmenden Einsatz von Minen eine zentrale Norm des humanitären Völkerrechts unter Druck gerate – mit unmittelbaren Folgen für Zivilist*innen weit über aktuelle Kriegsgebiete hinaus.
Weniger Geld, höheres Risiko
Die internationale Minenräumung wird trotz steigender Not und zunehmender Kontamination weiterhin überwiegend von einer kleinen Gruppe staatlicher Geber finanziert. Im Jahr 2024 deckten die fünf wichtigsten Geber gemeinsam knapp zwei Drittel der gesamten internationalen Gelder ab. Dies waren die Vereinigten Staaten (26 %), Deutschland (13 %), die Europäische Union (9 %), Norwegen (8 %) und die Schweiz (6 %).
Der US-Beitrag – traditionell die größte einzelne Summe – war schon 2024 gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Drittel gekürzt worden. Doch traf der kurzfristige Stopp der US-Auslandshilfen im vergangenen Jahr auch die Finanzierung von Minenräumungsprogrammen. Einige Einsätze wurden vorübergehend ausgesetzt. Für manche dieser Programme wurden die Gelder zwar später wieder freigegeben, doch wie es mit der US-Finanzierung weitergeht, ist ungewiss.
Die deutschen Mittel für humanitäres Minen- und Kampfmittelräumen stammen aus dem Etat für humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes. Dieser wurde allerdings 2025 um mehr als die Hälfte gegenüber 2024 gekürzt. Kein gutes Zeichen für die Minenräumung, deren Projekte auf mehrjährige Planungssicherheit angewiesen sind – beispielsweise in Ländern wie Syrien, wo explosive Altlasten den Wiederaufbau und die Rückkehr von Millionen Menschen behindern.
Kim Berg ist Redakteurin bei der Kommunikationsagentur Fazit und spezialisiert auf politische Kommunikation. Sie besuchte The HALO Trust im Rahmen einer Syrien-Reise im November 2025.
kim.berg@fazit.de