KfW

Gegen das Chaos auf der Straße

Die Inderin Jhanja Tripathy engagiert sich seit vielen Jahren für eine nachhaltige städtische Verkehrspolitik. Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer KfW-Beilage zu E+Z/D+C.
Jhanja Tripathy. KfW Bankengruppe/Michael Bäumer Jhanja Tripathy.

Auf den Straßen Delhis herrscht Chaos. Die Fahrbahn gehört allen: Autos und Motorroller hupen einträchtig, dazwischen schieben Menschen Schubkarren, fahren Rikschas und suchen Fußgänger die geeignete Verkehrslücke.

Das Verkehrschaos der indischen Metropole hat Jhanja Tripathy immer vor Augen, wenn sie sich auf den Weg in das Ministerium für Wohnungsbau und städtische Angelegenheiten macht. Dort ist sie seit vier Jahren in leitender Position für Haushalt und Finanzen zuständig. „In einem Land wie Indien mit einer wachsenden Bevölkerung und vielen Menschen, die in die Städte ziehen, muss der Platz auf der Straße zwischen zahlreichen Verkehrsteilnehmern aufgeteilt werden“, beschreibt sie die Situation. Wie in vielen Entwicklungsländern haben auch in Indien die großen Städte damit zu kämpfen, dass der Individualverkehr zunimmt.

Der Grund dafür ist eigentlich positiv: wirtschaftlicher Fortschritt und zunehmender Wohlstand. Die wachsende Mittelschicht steht bei den Autohändlern Schlange, die Zahl der Fahrzeuge steigt kontinuierlich – mit den bekannten negativen Folgen: klimaschädigende Abgase, Luftverschmutzung, Benzinverbrauch, hohe Unfallraten, ständige Staus und lange Wegzeiten für Pendler besonders in der Rushhour. „Natürlich müssen wir die Menschen überzeugen, häufiger auf das Auto zu verzichten“, meint Jhanja Tripathy, „aber dafür brauchen wir ein intelligentes Verkehrsmanagement.“ Die einzelnen Verkehrssysteme müssten so gut aufeinander abgestimmt sein, dass die Menschen ohne große Wartezeit auch ohne Auto rasch von A nach B kommen. Dabei seien integrierte Lösungen und der verstärkte Einsatz von IT-Technolo­gien gefragt.

„Der öffentliche Nahverkehr spielt dabei natürlich eine ganz entscheidende Rolle, um die Verkehrsflüsse zu verbessern“, sagt Jhanja Tripathy. Deshalb setzt sie sich seit langem besonders für den Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme ein, und neben ihrer Tätigkeit im Ministerium ist sie auch im Aufsichtsrat von fünf schienengebundenen Nahverkehrsunternehmen in Indien vertreten. Dort arbeitet sie intensiv daran mit, Projekte zum Ausbau des Schienennetzes und des öffentlichen Nahverkehrs voranzutreiben.

Besonders für arme Menschen sind Busse und Bahnen weiterhin das einzige Verkehrsmittel, da sie sich Autos schlicht nicht leisten können und auch oft lange Wege zur Arbeit haben. Und für die wohlhabenderen Inder, sagt Jhanja Tripathy, „muss die Nutzung der Bahn so attraktiv sein, dass sie so oft wie möglich auf den Einsatz ihres Fahrzeuges verzichten“.


Link
KfW-Beilage in E+Z/D+C:
https://www.kfw-entwicklungsbank.de/PDF/Download-Center/PDF-Dokumente-Medienkooperation-mit-E-Z/2018_10_NachhaltigeMobilität_DE.pdf

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