Entwicklung und
Zusammenarbeit

Humanitäre Hilfe

Dass es an Finanzierung fehlt, um Leid zu lindern, ist ein Skandal

Nur rund ein Viertel der weltweit geplanten Hilfsvorhaben war zuletzt finanziert. Was das bedeutet, zeigt sich etwa an der Grenze zwischen Tschad und Sudan: Die Weltgemeinschaft verstößt gegen ihre eigenen humanitären Prinzipien.
Bild von Muthoni Nderitu Muthoni Nderitu
Bild von Muthoni Nderitu

Tag für Tag erreichen Menschen die Hütte aus Strohmatten und Zeltplanen, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in den Sand der tschadischen Grenzstadt Adré gezimmert hat. Sie alle fliehen vor dem brutalen Krieg in Sudan. Fast 1000 Geflüchtete ließen sich hier jeden Monat registrieren, dann schloss die tschadische Regierung die Grenze Ende Februar „bis auf Weiteres“. 

Im Januar war ich in Tschad in jener Grenzregion unterwegs. In Begleitung des International Rescue Committees (IRC), einer der größten Nothilfeorganisationen der Welt, habe ich Geflüchtetencamps, Gesundheitszentren und Aufnahmestellen besucht. Eine ausführliche Berichterstattung dazu findet sich im Schwerpunkt dieser Ausgabe. 

Die Menschen kommen oft mit nichts außer den Kleidern am Leib und schwer traumatisiert über die Grenze. Ihre Verzweiflung ist kaum auszuhalten, wenn sie darüber berichten, wie ihre Kinder durch Bomben starben, Frauen auf der Flucht vergewaltigt wurden. Auf tschadischem Boden hängt ihr Leben nun von Hilfsorganisationen wie UNHCR und IRC ab. Tschad selbst ist bitterarm und kann die vielen Geflüchteten seit Ausbruch des Krieges 2023 nicht versorgen.

Das Problem: Die Hilfsorganisationen können es bald auch nicht mehr. Zu massiv sind die Budgetkürzungen der meisten westlichen Regierungen, allen voran der USA. Die Verzweiflung an der Grenze setzt sich fort bis in die Büros der Organisationen in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena. Dort wissen die Mitarbeiter*innen nicht, wie sie ihre Programme über das erste Quartal hinaus fortführen sollen.

In diesem Jahr könnten laut den UN 239 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen – eine Zahl, die viele NGOs noch als zu niedrig einschätzen. Zugleich geben die UN an, Ende Oktober 2025 seien nur etwa 23 % der international geplanten Hilfsvorhaben finanziert gewesen. 

Eine Milliarde für Hilfe, 50 für Militär

Deutschlands Mittel für humanitäre Hilfe betragen rund eine Milliarde Euro, nicht einmal halb so viel wie noch 2024. Zum Vergleich: Im Dezember hat der Bundestag Aufträge für militärische Ausrüstung im Wert von 50 Milliarden Euro bewilligt. In vielen westlichen Ländern sieht es ähnlich aus.

Die Kürzungen bedeuten konkret: weniger sauberes Wasser, weniger Nahrung, weniger Ärzt*innen, weniger Hebammen, weniger Unterkünfte, weniger psychologische Betreuung für die Menschen, die all das am dringendsten benötigen, weil Kriege, Naturkatastrophen oder andere Krisen sie in eine Notlage gebracht haben. 

Die vier humanitären Prinzipien der UN lauten „Menschlichkeit“, „Neutralität“, „Unparteilichkeit“ und „Unabhängigkeit“. Ein Blick in den Osten Tschads zeigt: Wenn fehlendes Geld die humanitären Akteure zwingt, Grundbedürfnisse gegeneinander aufzuwiegen und Abstriche in lebensnotwendigen Bereichen zu machen, ist schon das erste Prinzip nicht mehr erfüllt.

Katharina Wilhelm Otieno ist Redakteurin bei E+Z und arbeitet zeitweise aus Nairobi. 
euz.editor@dandc.eu 

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